{"id":1206,"date":"2023-02-27T08:00:00","date_gmt":"2023-02-27T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=1206"},"modified":"2023-02-26T18:54:40","modified_gmt":"2023-02-26T16:54:40","slug":"phantastischer-montag-aufklaerungsflug-nummer-9","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=1206","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: Aufkl\u00e4rungsflug Nummer 9"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(2023 widmen wir uns verschiedensten Genres der Phantastik<\/em>,<em> im Februar ist das: Space Opera)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Logbuch-Eintrag 2023 &#8211; Titel: So schnell wie m\u00f6glich!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Besatzung der <em>Afar <\/em>auf ihrem neunten Aufkl\u00e4rungsflug:<\/p>\n\n\n\n<p>Luiraz (Drache)<br>Milenka (Katze)<br>Iniry (Elf\u2019in)<br>Ekant\u00e9 (Hexe)<br>Towyn (Druide)<br>Ninx (Gargoyle)<br>Onycha (Sirene)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinsame Vorbemerkung.<\/strong><br>Es ist das erste Mal seit diese Crew sich vor neunzig Jahren zusammenfand, dass wir tats\u00e4chlich einer Meinung sind. Damals sind einige von uns nur widerstrebend und unter gro\u00dfen Zweifeln dem Angebot gefolgt, die Erde zu verlassen, andere waren schon l\u00e4ngst gegangen. Und auch wenn viele der dann folgenden Ereignisse und Entwicklungen unsere Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt haben, so erf\u00fcllen uns unsere Zweifel und die Sehnsucht nach dem Planeten, der uns \u00fcber Jahrtausende Heimat war, doch weiter mit Schwermut.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Individuelle Eintr\u00e4ge.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Luiraz<\/em>: Ich habe als Letzte meiner Spezies die Erde verlassen. Nennt mich stur. Sogar andere Drachen tun das. Und wenn eine Spezies Sturheit als einen ihrer grundlegenden Wesensz\u00fcge beanspruchen darf, so sind das wir Drachen. Allerdings bevorzugen wir den Ausdruck Beharrlichkeit. Aber ich schweife ab. Als die Menschheit auftauchte, haben viele Drachen sie als vor\u00fcbergehende Spezies angesehen, ein launiges Experiment der Natur, das sich von selbst erledigen w\u00fcrde. Wer h\u00e4tte damals ihre weitere, so radikale Entwicklung auch nur erahnen k\u00f6nnen? Sie schienen klein und unbedeutend. Und ihre Leben waren so kurz. Wie sollten sie da unser aller Leben nachhaltig beeinflussen k\u00f6nnen?<br>Wie wir jetzt wissen, haben wir diese Spezies, ihre Entwicklung und vor allem ihren Einfluss auf unsere Heimat massiv untersch\u00e4tzt. Sie sind zerst\u00f6rerischer als jeder Vulkanausbruch. Es schmerzt mich, ihre Zerst\u00f6rungskraft am Werk zu sehen. Aber nicht einmal das vereinte Feuer aller Drachen k\u00f6nnte sie jetzt noch von der Erde vertreiben. Sie haben sie an sich gerissen &#8211; und wir haben es zugelassen.<br>Ich habe lange geglaubt (glauben wollen), dass allein die Anwesenheit magischer Wesen auf der Erde unsere Heimat retten k\u00f6nnte. Deshalb bin ich so lange geblieben. Doch ich muss mir eingestehen, dass dieser Glaube ein Irrtum war. Die Erde wird immer meine Heimat bleiben. Ich nehme die Sehnsucht nach ihr \u00fcberall hin mit, trage sie auf meinen Schuppen und in meinem Feuer. Und so hoffe ich, und diese Hoffnung vermag ich nicht aufzugeben, dass die Erde die Menschheit \u00fcberleben wird. Dass wir eines Tages zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Nennt mich ruhig stur (ich bin daran gew\u00f6hnt).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Milenka<\/em>: Was soll ich noch sagen? Meine Spezies hat wirklich ihr Bestes gegeben, diese Zweibeinigen zu beeinflussen. Aber sie haben sich nicht einmal die M\u00fche gemacht, unsere Sprache zu lernen. Leider muss ich auch zugeben, dass einige von uns sich haben einlullen lassen vom bequemen Leben in den Haushalten der Zweibeinigen. Ich f\u00fcrchte, das Dosenfutter hat sich negativ auf ihre Gehirne ausgewirkt.<br>Vermisse ich die Erde? Nun, ich vermisse eine Erde, die ich mal gekannt habe, eine, die ich aus den Erz\u00e4hlungen der Alten kenne, ihren \u00dcberlieferungen. Aber vieles davon finde ich in unserer neuen Heimat. Drachen bieten hervorragenden Schutz vor Regen (schon durch ihre schiere Gr\u00f6\u00dfe), sind immer bereit ein w\u00e4rmendes Feuer zu entz\u00fcnden und erz\u00e4hlen in langen N\u00e4chten die besten Geschichten. Und sie geben sich mit einem Schnurren als Kommentar und Gegenleistung zufrieden. Denn sie wissen noch um die Magie, die im Schnurren liegt. Und dort, wo das wertgesch\u00e4tzt wird, lebt diese Magie auch weiter.<br>Ich hoffe nur, dass die Entwicklung einer Menschheit uns in der neuen Heimat erspart bleibt. Denen hat doch die Angst vor der eigenen Sterblichkeit total die Perspektive verdorben. Allen meiner Spezies, die dort noch leben und deren Hirn nicht von Dosenfutter vermurkst ist, empfehle ich die Flucht. Wir haben wirklich keine Zeit mehr f\u00fcr irgendwelche Sentimentalit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Iniry<\/em>: Es ist seltsam, zu einer Spezies zu geh\u00f6ren, \u00fcber die so viel (irriges) geschrieben wurde von einer Spezies, die dann doch nicht wirklich an unsere Existenz glaubt (hingegen zu gro\u00dfen Teilen an alle m\u00f6glichen Gottheiten, die sie nie zu Gesicht bekommen haben &#8211; das verstehe, wer es vermag). Wir Elf\u2019innen haben ja als erste magische Spezies die Erde verlassen. Aus Zwang, nicht freiwillig. Alle Elemente, die wir zum Leben brauchen, wurden vergiftet, einschlie\u00dflich von Luft und Wasser. Von den W\u00e4ldern will ich gar nicht erst anfangen. Und nichts davon ist besser gewesen, wenn ich heute auf die Erde blicke &#8211; im Gegenteil.<br>Die Menschheit hat sich da erstaunlich robust gegen die Gifte erwiesen, die sie selbst produzieren. Uns haben sie von der Erde vertrieben. Mich erf\u00fcllt heute gro\u00dfer Schmerz angesichts ihrer vielen Wunden. Selbst wenn die Menschheit von ihr verschwindet (und ich habe keinen Zweifel mehr daran, dass das geschehen wird), von sich selbst ausgel\u00f6scht, wird es noch sehr, sehr lange dauern, bis meine Spezies zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte.<br>Da von uns niemand mehr auf der Erde weilt, wird dies meine letzte Beteiligung an einem Aufkl\u00e4rungsflug sein. Es ist zu schmerzlich, diesen Verfall weiter zu beobachten. Ich w\u00fcnsche allen magischen Wesen, die dort noch ausharren, die Einsicht, wie aussichtlslos ihre Hoffnungen sind &#8211; und eine sichere Flucht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ekant\u00e9<\/em>: Ich bewundere alle meiner Spezies, die noch Hoffnung wagen. Die bleiben. Nat\u00fcrlich ist es nicht immer einfach in der neuen, fernen Heimat. Da eine meiner Gestalten den Menschen t\u00e4uschend \u00e4hnlich sieht, trifft mich oft Misstrauen. Da ist es leichter, eine meiner anderen Gestalten anzunehmen (und ich habe wirklich nichts dagegen, als Rabe durch die Welt zu fliegen oder mich als Katze an die Tatzen von Drachen zu schmiegen), aber ich bin nun einmal alle meine Gestalten und versp\u00fcre so von Zeit zu Zeit die Sehnsucht, meine menschliche Gestalt anzunehmen. Das war leichter in der alten Welt. Aber in der neuen Welt will uns immerhin niemand wegen unserer Magie verbrennen. Und sie bem\u00fchen sich alle, an ihrer Voreingenommenheit zu arbeiten.<br>Ich verstehe auch, dass der Anblick unserer menschlichen Gestalten schmerzhaft ist. Manchmal ertrage ich ihn selbst nicht. Trotzdem geh\u00f6rt auch diese Gestalt zu mir. Zu uns. Und so tragen wir auch diesen Teil der alten Welt mit in die neue. Den Hexen, die in der alten Welt verweilen, w\u00fcnsche ich viel Kraft. Ich verstehe, wie schwer es ist fortzugehen. Wie unvorstellbar, alles Vertraute zur\u00fcckzulassen (trotz allem, was wir dort schon ertragen mussten). Ich verstehe, wie viel leichter es ist, sich einzureden, dass eine Rettung noch immer m\u00f6glich ist. Und zugleich trauere ich um alle, die sich entschlie\u00dfen zu bleiben. Bei aller Sehnsucht kann ich ihre Hoffnung zwar bewundern aber nicht teilen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Towyn<\/em>: Es ist h\u00f6chste Zeit, das alte Wissen in die neue Welt zu tragen. Ich hoffe sehr, dass auch die letzten Druiden dies verstehen und habe den Worten meiner Schwester Ekant\u00e9 nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ninx<\/em>: Haut ab, solange ihr noch k\u00f6nnt! Das m\u00f6chte ich ihnen allen zurufen. Meine Spezies ist leider verdammt unbeweglich. Sie hocken auf ihren D\u00e4chern, ihren Brunnen und versteinern im Laufe der Jahrhunderte immer mehr. Wacht auf! Bewegt euch! Es tut wirklich, wirklich gut. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Wenn sie mir nicht glauben, bleibe ich halt der einzige Gargoyle in der Ferne. (Aber selbst meinem steinernen Herz versetzt das einen Stich, auch wenn ich das nie laut aussprechen werde.)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Onycha<\/em>: Was soll ich noch singen? Die Menschen haben unsere Ges\u00e4nge nie verstanden, \u00fcberliefern noch immer, dass sie eine Gefahr w\u00e4ren. Dabei haben wir immer nur vor der Gefahr gewarnt. Der Gefahr, die selbst darstellen. F\u00fcr sich selbst. Und leider auch f\u00fcr alle anderen, die mit ihnen eine Heimat teilen.<br>Und so kann ich nur das Angebot meiner Spezies wiederholen: Wir sind bereit, einen letzten Gesang zu singen f\u00fcr alle magischen Wesen, die noch auf der Erde ausharren, damit sie von unserem sicheren Fluchtweg erfahren.<br>Mehr k\u00f6nnen wir nicht tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abschlie\u00dfendes gemeinsames Statement.<\/strong><br>Wir verstehen alle, die die Hoffnung nicht aufgeben m\u00f6chten. Wir verstehen, dass diejenigen, die noch hoffen und aufgrund dieser Hoffnung handeln, die letzte Chance unserer fr\u00fcheren Heimat sind. Und trotzdem empfehlen wir dringend, allen noch dort weilenden magischen Wesen den Fluchtweg anzubieten. So schnell wie m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>(Die anderen Geschichten aus dem Februar k\u00f6nnt ihr hier nachlesen:<br>Carola Wolff: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/carolawolff.de\/root-snow-thorn\/\" target=\"_blank\">Root, Snow &amp; Thorn<\/a><br>C.A. Raaven: <a href=\"https:\/\/www.c-a-raabe.de\/phantastischermontag\/spaceopera02\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bumm<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(2023 widmen wir uns verschiedensten Genres der Phantastik, im Februar ist das: Space Opera) Logbuch-Eintrag 2023 &#8211; Titel: So schnell wie m\u00f6glich! 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