{"id":1350,"date":"2023-09-25T16:18:01","date_gmt":"2023-09-25T14:18:01","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=1350"},"modified":"2023-09-25T16:18:01","modified_gmt":"2023-09-25T14:18:01","slug":"phantastischer-montag-ganz-sicher-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=1350","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: Ganz sicher nicht!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Im Monat September haben wir uns das Genre &#8222;Funtasy&#8220; ausgesucht &#8230; hier ist mein Beitrag dazu)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wieso hab ich mich darauf eingelassen?<\/em> Porthea hielt nur mit M\u00fche einen Seufzer zur\u00fcck. Mehr ein St\u00f6hnen. Sie mochte Gesellschaft &#8211; vor allem ihre eigene. Sie mochte, dass die Arbeit am Portal viel Zeit allein bedeutete, weil andere Wesen kamen und vor allem wieder gingen. Kurz, der entscheidende Punkt: Sie blieben nie lange da.<br><em>Alles Drax\u2018 Schuld!<\/em>, fluchte Porthea still vor sich hin. Wenn Drax ihr dieses Abenteuer nicht aufgezwungen h\u00e4tte, w\u00e4re sie immer noch allein hier, h\u00e4tte sich nicht in einem Moment fehlgeleiteter Zuneigung und Begeisterung dazu hinrei\u00dfen lassen, jetzt schon eine Nachfolgerin auszusuchen, die nun hier bei ihr lebte und die sie ausbilden musste, statt ihre einsamen Zeiten zu genie\u00dfen. Na gut, irgendwann h\u00e4tte sie sowieso eine Nachfolgerin ausbilden m\u00fcssen. Aber auch hier wieder war genau das der Punkt: irgendwann. Weit in der Zukunft. Nicht jetzt.<br>Porthea st\u00fctzte die Ellbogen auf den Tisch neben dem Portal und verbarg das Gesicht in den H\u00e4nden, rieb sich mit allen ihren drei\u00dfig Fingern \u00fcber den Sch\u00e4del, strich leicht \u00fcber ihre weichen Schuppen. Sicher, sie mochte Ilana. Die junge Gestaltwandlerin war mutig, neugierig, sie hatte einen aufrechten Kern &#8211; aber eben viel, viel, viel zu wenig Sinn f\u00fcr Missmut. Wie konnte eine so durchs Leben gehen? Porthea seufzte tief.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 ebenso wie die Autorin an dieser Stelle. Funtasy. <em>Fun<\/em>tasy?! Worauf hatte sie sich da eingelassen? Das war nun wirklich so ganz und gar nicht ihre Welt. \u201eAch nein?\u201c, wisperte eine Stimme an ihrem Ohr und ein empfindlicher hei\u00dfer Atem traf die Haut neben ihrem Ohr (oder sollte das hei\u00dfen: hei\u00dfer Atem traf die empfindliche Haut neben ihrem Ohr?).<br>\u201eAu! Wie oft muss ich dir noch sagen, dass menschliche Haut und Drachenfeueratem inkompatibel sind?\u201c<br>\u201eSo ein Fl\u00e4mmchen hat noch nie-\u201c Ti\u2018runs restliche Worte gingen in unverst\u00e4ndlichem Gemurmel unter, weil die Autorin ihr die Schnauze zuhielt. Drachen hatten einfach keine Einsicht, wenn es um Feuer ging. Zumindest nicht dieser kleine Drache, mit dem die Autorin nun seit mehreren Jahren zusammenlebte. Aus Drachensicht musste das nat\u00fcrlich genau umgekehrt betrachtet werden (wenn es darum ging, wem diese Wohnung\/H\u00f6hle geh\u00f6rte), aber das ist eine andere Geschichte (<a href=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=741\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Sockenfrieden 2020<\/a>).<br>\u201eDu sagst doch selbst immer, du sollst dich von Genrebezeichnungen nicht einschr\u00e4nken lassen\u201c, bemerkte Ti\u2018run, die sich inzwischen befreit hatte und in sicherer Entfernung von der Autorin auf dem Rahmen des gro\u00dfen Bildschirms balancierte. Die Autorin hatte l\u00e4ngst aufgegeben, sich wegen Krallenpunktierungen darauf zu beschweren. Ebenso wie \u00fcber Flammenspuren auf der Schreibtischplatte. Oder angekokeltem Papier.<br>\u201eWas interessiert mich mein Geschw\u00e4tz von gestern?\u201c, murrte sie. \u201eOder von vorgestern oder gar vor-vorgestern?\u201c Sie lehnte sich auf ihrem Schreibtischstuhl zur\u00fcck und verschr\u00e4nkte die Arme. Kein einziges Wort w\u00fcrde sie mehr tippen. Sollte die Geschichte doch sehen, wie sie allein zurechtkam!<br>Ti\u2018run flatterte mit den in allen Meerest\u00f6nen schimmernden Fl\u00fcgeln. \u201eVerweigerungshaltung? Du wei\u00dft doch ganz genau, dass ich das l\u00e4nger durchhalten kann als du.\u201c Sie legte die Fl\u00fcgel wieder an und leckte sich die Lippen. \u201eMmmmm, Feuer und Rauch, der Geschmack von Geschichten.\u201c<br>\u201eDas hilft mir jetzt auch nicht weiter.\u201c Dieses Mal w\u00fcrde sie nicht klein beigeben. Die Autorin presste die Arme fester gegen die Brust. Wer bitte hatte in heutigen Zeiten Fun? Das war v\u00f6llig widersinnig. Kriege, Klimakrise, Kapitalismus, Kipp-Punkte, Katastrophen, wohin eine auch blickte, Umweltverschmutzung, Unterdr\u00fcckung, Ungerechtigkeit, Ungleichheit \u00fcberall, \u00dcberschwemmungen, D\u00fcrren, Diktaturen, Demokratien in Gefahr, Nazis \u2026 verdammt, nicht mal das mit den Alliterationen bekam sie hin. Von <em>Fun <\/em>konnte jedenfalls keine Rede sein. \u201eDa mach ich doch lieber meine Steuererkl\u00e4rung.\u201c Was eine glatte L\u00fcge war. Und was Ti\u2018run auch nur mit einem abf\u00e4lligen Schnauben kommentierte. Dieser Drache kannte sie inzwischen einfach viel zu gut! \u201eMir f\u00e4llt aber wirklich nichts ein\u201c, murmelte die Autorin.<br>\u201eDann mach doch eins dieser inspirierenden Dinge.\u201c Ti\u2018run hob eine Pfote, musterte ihre Krallen. \u201eSpaziergang?\u201c<br>Die Autorin sch\u00fcttelte den Kopf. Drau\u00dfen schien die Sonne. Viel zu optimistisch.<br>\u201eBrainstorming?\u201c<br>Die Autorin sch\u00fcttelte den Kopf. Bei Brainstorming mit Ti\u2018run kam immer nur eines heraus: eine Geschichte ohne Drachen ist keine Geschichte. (Und dagegen hatte sie kein valides Argument.)<br>\u201eBisschen prokrastinieren mit Hausputz?\u201c<br>Letzteres w\u00e4re dringend n\u00f6tig &#8211; aber die Motivation dazu war noch geringer als die zum Schreiben von Funtasy. Die Autorin r\u00fcmpfte die Nase. Und sch\u00fcttelte den Kopf.<br>\u201eFeuer?\u201c<br>Die Drachenstimme klang hoffnungsvoll, und die Autorin bekam &#8211; fast &#8211; ein Schleudertrauma vom heftig-entschiedenen Kopfgesch\u00fcttel. Sie schloss die Augen und zuckte gleich darauf zusammen, als sie ein lautes R\u00e4uspern h\u00f6rte.<br>\u201e\u00c4hm, wir warten hier \u2026?\u201c<br>Das war doch &#8211; nein, nein, nein. Die Autorin presste die Augenlider fest aufeinander. Es reichte, dass ein Drache Unordnung in ihr Leben brachte. Sie brauchte nicht noch weitere Drachenwesen in ihrer Wohnung. Die sollten gef\u00e4lligst in ihrem Laptop bleiben! Da, wo sie hingeh\u00f6rten. Die Autorin hielt sich die Ohren zu. Was Porthea offenbar nicht beeindruckte, sie verschaffte sich m\u00fchelos Geh\u00f6r.<br>\u201eIst echt mies, uns hier so h\u00e4ngenzulassen. Ich meine, ich bin Missmut gegen\u00fcber durchaus aufgeschlossen und zugegeben, ich verkrieche mich gelegentlich darin und genie\u00dfe das sogar &#8211; aber auf Dauer wird sogar mir das langweilig.\u201c<br>Mir aber nicht, lag der Autorin auf der Zunge. Doch sie w\u00fcrde sich ganz sicher nicht auf dieses Gespr\u00e4ch einlassen. Sie biss sich innen auf die Wangen. Die H\u00e4nde \u00fcber ihren Ohren sperrten nicht einmal das Tappen von Ti\u2018runs Krallen gegen den Bildschirm aus. Tapp, tapp, tapp. Tapp, tapp, \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026 tock, tock, tock, tock &#8211; das H\u00e4mmern von Holz auf Holz st\u00f6rte die Stille auf ihrer Lichtung. Porthea seufzte erneut und blinzelte gegen das Sonnenlicht an. Vorsichtig blickte sie dorthin wo ihre H\u00fctte stand. Dann weiter dorthin, wo Ilana die Grundfl\u00e4che einer zweiten H\u00fctte absteckte. Pfosten in den Boden einschlug. In respektvollem Abstand zu Portheas eigener. Das musste sie zugeben. Die Gestaltwandlerin hob den Kopf und winkte ihr zu. Grinste. Porthea wusste genau, was Drax jetzt sagen w\u00fcrde.<br>Mit einem dritten tiefen Seufzer erhob sie sich von ihrem Stuhl. \u201eIst ja gut, ich helfe ihr\u201c, grummelte sie dem abwesenden Drachenwesen zu. \u201eAber du daf\u00fcr schuldest du mir was.\u201c Langsam ging sie auf Ilana zu. Uns beiden, f\u00fcgte sie still f\u00fcr sich hinzu. Schlie\u00dflich musste auch Ilana es mit ihr aushalten. Was ganz sicher nicht ganz einfach war und auch nicht leichter werden w\u00fcrde. Ganz sicher nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>(Soweit meine Story zum Genre. Die Geschichte des Kollegen C. A. Raaven findet ihr hier: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.c-a-raabe.de\/phantastischermontag\/funtasy02\" target=\"_blank\">Do ya see something green?<\/a> Die Kollegin Carola Wolff setzt gerade aus, aber in ihren phantastischen Geschichten zu st\u00f6bern ist immer ein Vergn\u00fcgen! <a href=\"https:\/\/carolawolff.de\/category\/phantastischer-montag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Hier geht&#8217;s lang!<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Im Monat September haben wir uns das Genre &#8222;Funtasy&#8220; ausgesucht &#8230; hier ist mein Beitrag dazu) Wieso hab ich mich darauf eingelassen? Porthea hielt nur mit M\u00fche einen Seufzer zur\u00fcck. Mehr ein St\u00f6hnen. Sie mochte Gesellschaft &#8211; vor allem ihre eigene. 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