{"id":680,"date":"2020-01-20T09:05:13","date_gmt":"2020-01-20T07:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=680"},"modified":"2020-01-24T20:08:57","modified_gmt":"2020-01-24T18:08:57","slug":"und-danke-fuer-den-fisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=680","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: &#8230; und danke f\u00fcr den Fisch!"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIst dir auch eingefallen, dass das immer mehr werden? Oder nehme ich die nur vermehrt wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNee, es werden wirklich mehr.\u201c<\/p>\n<p>Von oben auf dem T\u00fcrblatt ist die Sicht auf den K\u00fcchentisch und meine beiden Menschen ausgezeichnet. Sie blicken besorgt drein. Ist ja auch ein ernstes Thema. Ich springe auf die Dielen (bei mir sieht das elegant aus, ihr versucht das besser nur, wenn ihr auch eine Katze seid) und schlendere zum Tisch hin\u00fcber. Meine Menschen sind sehr aufmerksam, lassen immer einen Stuhl f\u00fcr mich frei. Aber den ignoriere ich und st\u00fctze stattdessen die Vorderpfoten auf einen ihrer St\u00fchle. Das garantiert immer ihre volle Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Schon werde ich zwischen den Ohren gekrault (und kann nicht umhin den Kopf noch weiter nach oben zu recken \u2013 Menschen bergen ihre eigenen Gefahren). \u201eDie will doch nur wieder schnorren\u201c, klingt es (durchaus liebevoll) von der anderen Tischseite her\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eAch komm, so ein bisschen verw\u00f6hnen &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Ich schnurre noch lauter. Schon landet ein St\u00fcck Lachs in meinem Mund. Bio-Qualit\u00e4t. Meine Menschen kaufen gut ein. Ihr Gespr\u00e4ch schwappt weiter \u00fcber mich hinweg (die n\u00e4chste Demo, Boykottaufrufe, eigenes Shampoo herstellen), alles sehr nobel. Ich schnurre unterst\u00fctzend.<\/p>\n<p><i>Achtung, letzte Erinnerung. Treffen in drei Stunden. Letzte M\u00f6glichkeit. <\/i>Die Meldung rei\u00dft mich aus meinem Schnurr-Genuss-Zustand. Ich lasse den Schwanz hin und her schnellen. <i>Geh\u00f6rt und verstanden<\/i>, schicke ich zur\u00fcck. Telepathie ist ebenso n\u00fctzlich wie nervig.<\/p>\n<p>\u201eMeine Kollegin hat erz\u00e4hlt, dass ihre jetzt auch verschwunden ist. Die hat heute den halben Tag damit zugebracht, Flyer mit Bildern zu kopieren \u2013 ich hab ihr noch beim Aufh\u00e4ngen geholfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Arme.\u201c<\/p>\n<p>Zwei Blicke schweifen zu mir. Doppelte Aufmerksamkeit, sehr gut. Ich starre zur\u00fcck, lasse sie wissen, dass ich ganz bei ihnen bin (wirklich, wenn Menschen schnurren k\u00f6nnten, w\u00e4re vieles einfacher). Ich blinzele ihnen zu, gem\u00e4chlich, und sie blinzeln zur\u00fcck. Ein guter Anfang. Ich w\u00fcrde gern sanfter an das Thema herangehen, aber die Zeit dr\u00e4ngt. Also ganz direkt: Wie habt ihr es soweit kommen lassen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Ich schnurre und schlage mit dem Schwanz, versteige mich sogar zu einem schnurrenden Maunzen, aber \u2013 nichts. (Na ja, nicht v\u00f6lliges Nichts, sie geben sich besorgt, fragen sich gegenseitig, was die Kleine wohl will \u2026 Erstens bin ich nicht klein, zweitens ist das keine Antwort.) Ich ducke mich unter dem n\u00e4chsten Kraulversuch weg, laufe von einer Tischseite zur anderen. Hin und her und hin und her. (Bl\u00f6derweise schubse ich dabei eine Murmel an und bin f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit abgelenkt.)<\/p>\n<p>\u201eLass sie, sie hat einfach ihre abendlichen f\u00fcnf Minuten.\u201c<\/p>\n<p>Den Kommentar ignoriere ich, weil ich nach der Murmel fische, die unter den K\u00fcchenschrank gerollt ist. Verdammtes Ding! Meine Vorderbeine sind zu kurz! Hilfe! (Das verstehen sie und kommen bereitwillig dazu, verl\u00e4ngern ihre Arme durch den Einsatz von St\u00f6cken und schie\u00dfen mir die Murmel wieder zu.)<\/p>\n<p>Nach der wilden Jagd liege ich hechelnd auf den Dielen. War ich eben nicht eigentlich bei einem anderen Thema? DIE Frage, richtig. Ich putze mir noch schnell den Staub aus dem Fell (die m\u00fcssen unter dem Sofa auch mal wieder ordentlich saugen) und mache mich auf die Suche. Eben waren die doch noch in der K\u00fcche. Lachen aus dem Badezimmer verr\u00e4t mir, wo ich hin muss. Ich sto\u00dfe die T\u00fcr weiter auf. Sie stehen vor dem Waschbecken und k\u00fcssen sich (irgendwie entz\u00fcckend). Ich schmiege mich an ihre Beine. (Menschen sollten mehr dieser Dinge tun. Und \u00f6fter. Dann h\u00e4tten sie weniger Zeit f\u00fcr ihren sonstigen Unsinn.) <i>Achtung, letzt-letzte Erinnerung, Treffen in zwei Stunden.<\/i> (Verdammt, wo ist diese Stunde geblieben?) <i>Verstanden<\/i>, schicke ich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Jetzt wird es wirklich ernst. Ich blockiere den Badausgang und blicke meine Menschen streng an. Sie blicken zur\u00fcck, sie blicken einander an. Sie gehen vor mir in die Hocke. (Meine Schnurrhormone drehen gleich durch, das sind alles gute Zeichen, jetzt muss es einfach klappen. Ich bin mir so sicher, dass meine Menschen die Antwort haben.) Ich schnurre lauter, als ich je in meinem Leben geschnurrt habe. Sie kraulen mir simultan Wangen und Hals und ich kann mein Kinn gar nicht weit genug nach vorn strecken. Sie scheinen entspannt und aufnahmef\u00e4hig. Also.<\/p>\n<p>Wie habt ihr es soweit kommen lassen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Keine Antwort. Nicht einmal das kleinste Zeichen, das sie verstanden haben. Ich lasse den Kopf sinken. Ich bleibe noch stehen, falls doch noch etwas kommt. (Ich bin schlecht im Hoffnung aufgeben.) Aber sie g\u00e4hnen und strecken sich.<\/p>\n<p>\u201eNa, kommst du mit?\u201c<\/p>\n<p>Ich lasse mich auf den Badfu\u00dfboden fallen. Die k\u00fchlen Fliesen senden kleine Schockwellen durchs System. Meine Menschen verlassen das Bad, und ich h\u00f6re, wie sie auf ihren nackten F\u00fc\u00dfen Richtung Schlafzimmer tappsen. Die Bettdecke raschelt. Sie murmeln noch miteinander.<\/p>\n<p>Die Wohnung liegt dunkel und ruhig. Ich springe auf und beginne meinen Rundweg. Knabbere an der guten Topfpflanze. Sch\u00e4rfe die Krallen am Teppich (endlich ohne lauten Einspruch). Trinke noch was. Springe auf die Anrichte in der K\u00fcche \u2013 mmmmmmh, richtig gerochen, da haben sie einen Teller mit Fischresten \u2018vergessen\u2018.<\/p>\n<p>Irgendwann ist auch eine letzte Runde zu Ende. Ich tappe ins Schlafzimmer und springe leise aufs Bett. Ein Mal noch. Ich lege mich zwischen die beiden, kuschele mich auf beide Kopfkissen, wo sie mir Platz gelassen haben und schnurre ihnen leise zu, als sie verschlafen ihre H\u00e4nde in meinem Fell vergraben. Nur ein bisschen noch, sage ich mir.<\/p>\n<p><i>Achtung, allerletzte Erinnerung<\/i>, rei\u00dft es mich aus dem Schlaf. <i>Treffen in einer halben Stunde. Ich wiederhole: in einer halben Stunde. Wirklich letzte M\u00f6glichkeit. <\/i>(Die vor-allerletzte Erinnerung muss ich glatt verschlafen haben.) Ich erhebe mich langsam, es soll ja niemand sonst aufwachen. Ge\u00fcbt schleiche ich mich das Bett entlang und springe mit einem weiten Satz hinunter, sodass die Klamotten auf dem Boden meine Landung d\u00e4mpfen. Ein letzter Blick macht nichts leichter. Ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer, sprinte \u00fcber den Flur, schlittere um die Ecke (verdammtes Laminat) und presche durch die Klappe in der Eingangst\u00fcr.<\/p>\n<p>Von oben im Raumschiff sieht die Erde so unendlich weit fort aus. Wir dr\u00fccken uns aneinander, was ein wenig tr\u00f6stet. Eine Antwort hat keine von uns bekommen. Vielleicht bleiben wir noch eine Weile in der Umlaufbahn. Vielleicht schaffen die Menschen es ja noch. Viel Hoffnung macht sich hier oben niemand. Nur eines wei\u00df ich sicher: Morgen werden auch meine Menschen Flyer aufh\u00e4ngen, mit einem Bild von mir. Ein bisschen Sehnsucht wird immer bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIst dir auch eingefallen, dass das immer mehr werden? 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