{"id":723,"date":"2020-03-16T09:00:47","date_gmt":"2020-03-16T07:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=723"},"modified":"2020-03-15T23:16:28","modified_gmt":"2020-03-15T21:16:28","slug":"phantastischer-montag-wintersonnenwende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=723","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: Wintersonnenwende"},"content":{"rendered":"<p><em>(Eigentlich hatte ich f\u00fcr das Thema &#8222;Wald&#8220; eine andere Geschichte angedacht &#8211; aber so nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Tagen wollte ich doch lieber eine Geschichte, die etwas optimistischer ist &#8230; Hier also ein Einblick in das Leben einiger Waldwesen. Viel Vergn\u00fcgen beim Lesen!)<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/baum.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-727\" src=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/baum.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/baum.jpg 300w, http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/baum-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Es durfte heute nicht regnen. Faunia presste die Augenlider fest zu. Dieses Rauschen musste noch zu ihrem Traum geh\u00f6ren. Sie w\u00fcrde einfach weiterschlafen, bis das Ger\u00e4usch verschwand. Doch so sehr sie sich den Schlaf zur\u00fccksehnte, er verweigerte sich. Faunia st\u00f6hnte missmutig. Also gut, also gut. Sie klemmte die Felldecke unter dem Kinn ein und st\u00fctzte sich auf die Ellbogen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Erst dann \u00f6ffnete sie die Augen. Der Boden ihrer Felsh\u00f6hle hatte sich in einen rei\u00dfenden Bach verwandelt. Von dem Felsvorsprung, auf dem ihr Bett war, starrte sie hinab in das sch\u00e4umende Nass.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Nee. Also wirklich nicht. Nicht heute.\u201c Das Echo ihrer Stimme hallte frostig von den H\u00f6hlenw\u00e4nden wieder. Dort, wo sich das Wasser am rauen Fels verfing, wuchsen Eisranken in die H\u00f6he.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">K\u00e4lte stahl sich unter ihre warme Decke, legte sich auf Faunias Haut, drang ihr bis auf die Knochen. Wenn Knochen eine G\u00e4nsehaut bekommen k\u00f6nnten, w\u00fcrden deren Spitzen sich von innen gegen ihre Haut dr\u00fccken. Faunia sch\u00fcttelte sich. Vielleicht war es an der Zeit, sich die Decke \u00fcber den Kopf zu ziehen und das Unvermeidliche hinzunehmen. Alles ging einmal zu Ende. Und lieber nahm sie ihr Ende im Warmen hin als in der eisigen Luft.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Langsam sank sie zur\u00fcck auf ihr Bett aus Moos und Federn. Schon besser. Nur lie\u00dfen sich jetzt, da sie einmal aufgewacht war, die Gedanken nicht aufhalten. Sie wanderten und h\u00fcpften, als w\u00e4re l\u00e4ngst Fr\u00fchling, neckten sie mit Ideen und tollten umher wie sie selbst in jungen Jahren auf einer Sommerwiese.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Ich bin aber nicht mehr jung\u201c, sagte Faunia laut und hoffte, der Klang ihrer knarzigen, alten Stimme m\u00f6ge die Gedanken zur Vernunft bringen. Die tollten unbeeindruckt weiter.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Faunia rollte sich auf die Seite. Blinzelte in das sch\u00e4umende Wasser hinab. Blickte die Eisranken empor, die im d\u00e4mmrigen Morgenlicht tr\u00e4ge glitzerten, das durch den Vorhang aus Farn am H\u00f6hleneingang fiel.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Damit wollt ihr mich wohl beeindrucken\u201c, murmelte sie. \u201eKlappt aber nicht.\u201c Von den Eisranken kam keine Antwort. Die mussten auch gar nichts sagen, schlie\u00dflich war klar, dass sie am Ende gewinnen w\u00fcrden, wenn Faunia hier liegen blieb. Irgendwann w\u00fcrden sie bis zu ihr hinauf gewandert sein und \u00fcber ihre Decke kriechen. Sie einschlie\u00dfen. Ein kaltes Grab. Faunia fr\u00f6stelte und ihre Gedanken schreckten zusammen.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Sie k\u00f6nnte wenigstens versuchen, sich noch ein Mal aufzusetzen. Bis auf die Ellbogen hatte sie es schlie\u00dflich schon geschafft gehabt, von dort w\u00e4re es dann nur ein kleiner Schritt weiter.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Der Frost k\u00fcsste sie auf den Nacken. Jeder Wirbel in ihrem R\u00fccken knackte. Faunia streckte sich im Sitzen und zog ihren Wollumhang von dem Haken an der Felswand. Sie schlug den Umhang kr\u00e4ftig gegen den Fels, mehrere Male, um ein wenig von der K\u00e4lte aus dem Kleidungsst\u00fcck zu vertreiben. Dann legte sie ihn sich um die Schultern.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Jetzt, wo sie schon sa\u00df, konnte sie auch eine Kleinigkeit essen, beschloss Faunia. In der Sch\u00fcssel neben dem Bett fanden sich noch ein paar N\u00fcsse. W\u00e4hrend sie eine nach der anderen kaute, hakte sie die Sch\u00fcssel in den Krummstab ein und tauchte sie in den Bach unter ihr. Auch ein Schluck Wasser konnte nicht schaden.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Die K\u00e4lte des eisigen Nass fuhr ihr von den Haar- bis in die Zehenspitzen. Sie stie\u00df einen spitzen Schrei aus, der die Eisranken zum Klirren und Splittern brachte. Faunia lachte. Der dunkle, tiefe Klang hellte ihre Stimmung auf. Sie schob die Decke von sich. Sofort griff die K\u00e4lte nach ihren Knien.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Das h\u00e4ttest du wohl gern, das ich jetzt wieder aufgebe\u201c, murrte sie ihr zu und zwang sich auf die F\u00fc\u00dfe. \u201ePech gehabt.\u201c<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Der Wollumhang kitzelte ihre Zehen, lie\u00df sie kichern, auch wenn der Blick zum H\u00f6hleneingang eine von Eis \u00fcberzogene Kletterpartie versprach. Ihre Gedanken h\u00fcpften voraus, zeigten ihr den Weg \u00fcber Felsvorspr\u00fcnge und entlang schmaler Abs\u00e4tze. Einige Stellen waren sogar frei von Eis. Faunia machte einen Schritt vom Bett und den n\u00e4chsten von ihrem Schlafpodest hin\u00fcber auf die erste Stufe der in den Fels gehauenen Treppe. Doch anstatt wie sonst hinunterzugehen, setzte sie den Fu\u00df auf einen kleinen Felsabsatz, den die Eisranken noch nicht erreicht hatten. Von dort tastete sie sich weiter voran.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Ein Sonnenstrahl fiel durch den Farnvorhang herein. Er schickte Tausende glitzernder Boote \u00fcber den Bach. Sie tanzten auf seinen Schaumkronen, schienen die Wildheit des Wassers zu verlachen. \u201eLeicht f\u00fcr euch\u201c, brummelte Faunia und konzentrierte sich wieder auf ihren Weg. Das Eis drang selbst durch ihre von Wind und Wetter gegerbten Fu\u00dfsohlen, wollte sich frostig in ihr festsetzen. Doch Faunia blieb nicht stehen. Solange sie sich bewegte, konnte das Eis keinen Halt in ihr finden.<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Endlich erreichte sie den Farnvorhang. Die Ranken aus blassem Wintergr\u00fcn raschelten, als sie sie behutsam zur Seite strich. Der Morgen drau\u00dfen war nicht viel w\u00e4rmer als ihre H\u00f6hle. Aber die Sonne schien. Kein Regen. Sie legte die Ranken \u00fcber einen kleinen Vorsprung neben der \u00d6ffnung, damit das Licht bis in den letzten Winkel der H\u00f6hle fallen konnte. Dann trat sie hinaus.<a href=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Schneebaum.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-728\" src=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Schneebaum.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" \/><\/a><br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Neben dem Eingang lehnte Friss und grinste sie an. \u201eDachte schon, du w\u00fcrdest heute nie aufstehen.\u201c<br \/>\n<\/span><\/span><\/span>\u201e<span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Bah, ich doch nicht.\u201c Faunia versetzte dem kleinen Troll einen Sto\u00df gegen die Schulter. Dazu musste sie sich m\u00e4chtig strecken. Ihr war, als f\u00fchren Luft und Sonnenlicht zwischen ihre Knochen und vertrieben die letzten Reste der Winterm\u00fcdigkeit. \u201eGehen wir Holz sammeln, oder was? Wir haben eine Feier vorzubereiten!\u201c<br \/>\n<\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Und das hatten sie wirklich. Der k\u00fcrzeste Tag stand bevor, es galt, das zur\u00fcckkehrende Licht zu begr\u00fc\u00dfen, daher musste vieles hineinpassen in diesen kurzen Tag, wenn sie die Nacht mit ihren Feuern erleuchten und mit allen aus dem Wald feiern wollten.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Der Tag verflog mit den Vorbereitungen. Sie trugen Essen und Holz zusammen, und alle brachten mit, was ihre Wintervorr\u00e4te noch hergaben. Sie gruben die Feuerstellen aus dem Schnee frei, schichteten die \u00c4ste und Zweige auf. Mit der ersten Dunkelheit loderten die Flammen auf. Knisternd und knackend vertrieben sie auch die letzte K\u00e4lte aus Faunias Knochen. Durch die tanzenden Feuerzungen blickte sie zu Friss und den anderen Waldlebewesen und war froh, dass sie am Morgen doch aufgestanden war. Noch war es nicht Zeit f\u00fcr das Ende.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Eigentlich hatte ich f\u00fcr das Thema &#8222;Wald&#8220; eine andere Geschichte angedacht &#8211; aber so nach den Entwicklungen der letzten Wochen und Tagen wollte ich doch lieber eine Geschichte, die etwas optimistischer ist &#8230; Hier also ein Einblick in das Leben einiger Waldwesen. Viel Vergn\u00fcgen beim Lesen!) Es durfte heute nicht regnen. 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