{"id":849,"date":"2021-03-15T14:37:14","date_gmt":"2021-03-15T12:37:14","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=849"},"modified":"2021-04-19T16:18:39","modified_gmt":"2021-04-19T14:18:39","slug":"phantastischer-montag-auf-dem-heimweg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=849","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: Auf dem Heimweg"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie muss daran glauben, dass Nala da ist, wenn sie heimkommt. Alles andere macht keinen Sinn. Oder: Anders macht alles keinen Sinn. Sie wird den Weg zwischen den alten Kastanienb<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4umen entlanggehen, wenn die wei\u00df-rosa Bl\u00fcten im Mondlicht gl\u00e4nzen. Der Wind wird sanft sein und doch einige der Bl\u00fcten von den Zweigen pfl\u00fccken, sie durch die Luft wirbeln, bis er sie der Schwerkraft nicht l\u00e4nger entrei\u00dfen kann. Die Bl\u00fcten werden zu Boden tanzen und ihr Duft wird sie auf dem Heimweg begleiten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Noch umgibt sie der Geruch von Ersch<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6pfung, l\u00e4rmen Gel\u00e4chter und m\u00fcde-erleichterte Stimmen in ihren Ohren, w\u00e4hrend Bierkr\u00fcge aneinander klirren &#8211; wieder und wieder. Der erdige Geruch des Biers legt sich \u00fcber den metallischen des trocknenden Blutes, den sauren Schwei\u00df des zu langen Kampfs.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie haben <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcberlebt. Aber nur gerade so. Sie streicht sich \u00fcber die glatte Kopfhaut. Wie ungewohnt diese Form noch immer ist. Ein wenig l\u00e4nger noch. Geduld, Geduld, Geduld. Doch die f\u00e4llt schwer, wenn zu Hause so nahe liegt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kira ihr gegen<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcber hebt den Bierkrug. \u201eAuf unsere K\u00e4pt\u2019n, die im Kampf nie m\u00fcde wird und jetzt aussieht, als w\u00fcrde sie mit offenen Augen schlafen!\u201c Gutm\u00fctiges Gel\u00e4chter mischt sich in das Klirren der Kr\u00fcge. Auch sie hebt ihren, zwingt die Mundwinkel nach oben.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auf ein langes Ausschlafen!\u201c Sie prostet Kira zu, st\u00f6\u00dft mit allen an und w\u00fcnscht sich, sie k\u00f6nnte jetzt endlich, endlich gehen. Aber sie muss bleiben, bis die Letzten sich zum Aufbruch entschlie\u00dfen. So geh\u00f6rt sich das als K\u00e4pt\u2019n. So erwarten sie es von ihr. So wie sie auch diese Gestalt von ihr erwarten. Diese Gestalt, die ihr nach all den Tagen und N\u00e4chten l\u00e4ngst zu eng ist, unter der alles juckt und kribbelt und hinausdr\u00e4ngt, hinaus, hinaus, hinaus.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber noch entschlie<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00dft sich niemand zum Aufbruch. Nur Sinej schwankt leicht vor und zur\u00fcck. Sorgsam stellt er seinen Bierkrug ab, als br\u00e4uchte er daf\u00fcr seine volle Konzentration. Er l\u00f6st die Hand vom Krug und sinkt langsam vorn\u00fcber. Gerade noch kann er die Arme auf dem Tisch verschr\u00e4nken, den Kopf abfedern, der sonst auf die Holzplatte geknallt w\u00e4re. Schon heben und senken sich seine Schultern in tiefen Atemz\u00fcgen. Xia neben ihm sch\u00fcttelt den Kopf, aber sie macht keinen Versuch, den Schl\u00e4fer zu wecken. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Und so untermalt Sinejs leises Schnarchen ihren Umtrunk, von dem sich noch immer niemand verabschieden will. Wenn dieses Kribbeln und Jucken, diese Unruhe nicht in ihr w<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4ren, w\u00fcrde sie die Gesellschaft sogar genie\u00dfen. Wenn, wenn, wenn. Wenn du nicht mehr kannst, dann renn, haben sie ihnen als Kindern eingepr\u00e4gt. Sie reibt sich \u00fcber die blo\u00dfen Unterarme. Die feinen H\u00e4rchen, die glatte Haut so irritierend wie zuvor. Die Geste bringt keine Beruhigung.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das Zimmer f<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fchlt sich fremd an ohne Wellis. Das Mondlicht streichelt \u00fcber das Bett mit der nachtblauen Decke, f\u00e4llt auf den gr\u00fcn-t\u00fcrkisen Flickenteppich davor. Das Bett mag sie ohne Wellis darin nicht ber\u00fchren. Die Luft im Zimmer schmeckt still. Staubig. Das ganze, an den Berg geschmiegte Haus schweigt ohne sie.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nala <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6ffnet die Glast\u00fcren weit und hebt ihr Gesicht dem Mond entgegen. Sie schlie\u00dft die Augen und w\u00fcnscht sich, sie k\u00f6nnte Wellis entgegen fliegen. Aber Wellis wird in ihrer anderen Gestalt hier ankommen. Also verharrt auch sie in ihr. Sie haben sich bei Wellis\u2019 Aufbruch gemeinsam gewandelt und werden sich bei ihrer R\u00fcckkehr gemeinsam wandeln. Das ist ihr Versprechen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Also wird sie auch zur<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcckkommen. Nala setzt sich in die offenen Glast\u00fcren und beobachtet, wie der Wind mit den Bl\u00fcten der Kastanien spielt. Sie gl\u00e4nzen im Mondlicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie tr<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4umt sich ein paar Stunden weiter. Dahin, wo der Mondschein sie h\u00e4lt und die Stille zweier atmender K\u00f6rper ist. Ein schweres Gewicht legt sich um ihre Schultern und die Stille ist fort. Zine hat ihren muskul\u00f6sen Arm um sie gelegt und Ulle tut links neben ihr das Gleiche.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Na los, K\u00e4pt\u2019n, sing mit!\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Offenbar singen sie schon eine Weile, denn sie sind bereits bei der f<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcnften Strophe. Alle haben die Arme umeinander geschlungen, alle wiegen sich im Takt &#8211; sogar Sinej ist wieder wach und stimmt lauthals den Refrain an:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Droht dir Gefahr in der Nacht,<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ruf die Dunkle Wacht,<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Denn wir sind wild wie der Wind,<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Und wir sch<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fctzen jedes Kind.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie liebt diese Zeilen, seit sie die Worte zum ersten Mal geh<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6rt hat. Jedes Kind. Doch heute ist sie \u00e4lter und wei\u00df es besser. Trotzdem singt sie mit. Auch wenn ihr Mund nach Asche schmeckt. Die n\u00e4chste Strophe zwingt sie durch die staubig-raue Trockenheit und ist froh, als die Wirtin pl\u00f6tzlich ein Tablett mit vollen Bierkr\u00fcgen auf den Tisch knallt.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Letzte Runde\u201c, verk\u00fcndet sie in den verstummenden Gesang. \u201eIch bin froh, dass ihr meinen Gasthof von den D\u00e4monen befreit habt, aber irgendwann muss ich auch mal schlafen. Und ihr seht auch nicht mehr frisch aus.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie nehmen das Bier, ohne zu murren. Schlie<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00dflich hat die Wirtin recht. Der Kampf hat l\u00e4nger gedauert, als er sollte. Sie waren auf einen letzten gemeinsamen Abend eingestellt gewesen, bevor sie alle ihrer getrennten Wege zogen \u2014 nicht auf noch einen Kampf. Sie sollte l\u00e4ngst zu Hause sein. Sie kratzt sich die Handgelenke, was nicht hilft. Also zwingt sie die Finger um den Henkel des Bierkrugs. Nur noch ein paar Schluck, dann werden die Ersten aufbrechen. Nicht mehr lang jetzt, nicht mehr lang.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist viel zu still um sie herum. Wellis blickt auf. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nur Sinej erwidert ihren Blick. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u201eWir wissen, dass \u2014\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kira st<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6\u00dft ihm einen Ellbogen in die Seite. \u201eWir m\u00fcssen etwas mit dir besprechen, K\u00e4pt\u2019n.\u201c Sie schiebt ihren Stuhl zur\u00fcck. \u201eDrau\u00dfen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Pl<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6tzlich ist der ganze Raum erf\u00fcllt von Stuhlbeinen, die \u00fcber Holzdielen scharren. Alle stehen \u2014 nur sie sitzt, klammert sich so fest an ihren Bierkrug, dass ihre Finger schmerzen. Wie hat sie sich verraten? Die Frage hat keinen Sinn. Nicht jetzt. Jetzt muss sie rennen. Nur dass das auch keinen Sinn hat. Wellis zwingt sich, die Finger von dem Bierkrug zu l\u00f6sen. Zwingt sich, ganz ruhig aufzustehen. Ihr ist kalt wie einem in Eisenketten gelegten D\u00e4mon. Aber sie zittert nicht. Sie ist kein D\u00e4mon. Auch wenn die Welt das anders sieht. Auch wenn die Wacht das anders sieht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wellis sieht sie schaut an, als sie, von ihnen umringt, auf die T<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcr zugeht. Wenige Stunden zuvor haben sie Seite an Seite mit ihr gek\u00e4mpft. Sie hat Ulle das Leben gerettet und Zine davor bewahrt, einen Fu\u00df zu verlieren. Kira hat einen der D\u00e4monen get\u00f6tet, bevor der sich in ihren Arm verbei\u00dfen konnte. Sinej und Xia haben mit ihr die magische Barriere aufgebaut, die sie alle vor dem letzten Fluch des letzten D\u00e4mons bewahrt hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Renn! Flieh! Flieg!, <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcberschreit ein ganzer Chor ihre Gedanken, schreit gegen ihre langsamen Schritte an, mit denen sie sich der T\u00fcr n\u00e4hert. Vielleicht hat sie drau\u00dfen eine Chance. Wenn es ihr gelingt zu entkommen, darf sie nicht aufh\u00f6ren zu rennen. Sie muss alles hinter sich lassen. Das an den Berg geschmiegte Haus mit der H\u00f6hle dahinter, die weit in den Fels reicht. Nala. Wellis hebt den Kopf ein wenig h\u00f6her. Sie kann Nala nur sch\u00fctzen, wenn sie ohne Abschied flieht. Nala und alle, die in der H\u00f6hle hinter dem Haus ihre Zuflucht gefunden haben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wellis geht an Kira vorbei, die die T<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcr aufh\u00e4lt. Das Mondlicht f\u00e4llt auf die Pf\u00fctzen vor dem Gasthof, l\u00e4sst das dunkle Wasser glitzern. Der Wind knarrt und rauscht durch die Zweige der B\u00e4ume. Sonst ist es still. Alle haben sich l\u00e4ngst in ihre H\u00e4user zur\u00fcckgezogen und die Lichter gel\u00f6scht. Die T\u00fcr des Gasthofs klickt leise ins Schloss. Der Schl\u00fcssel klackert darin, wird zwei Mal herumgedreht. Kiras Stiefel knallen auf die Pflastersteine.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jetzt muss sie rennen. Doch Wellis kann sich nicht r<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fchren. Sie steht da, umrundet von ihrer Truppe, festgefroren in der Stille, die auf Kiras letzten Schritt folgt.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es dauert zu lang. Nala geht zwischen den offenen T<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcren auf und ab. Warten, warten, warten \u2014 sie hasst warten. Ihr ist, als w\u00fcrde der Mond sie verlachen. Was wei\u00df der schon! Nala bleibt stehen und starrt den Weg zwischen den Kastanienb\u00e4umen entlang, als k\u00f6nnte ihr Starren allein die vertraute Gestalt dort auftauchen lassen. Stumm verflucht sie Wellis und ihre Sturheit, mit der sie an der Dunklen Wacht festh\u00e4lt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist unser Land, genauso wie ihres, Nala. Wir haben ein Recht, es zu sch<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fctzen. Gemeinsam.<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nur, dass sie dich t<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6ten werden, wenn sie wissen, wer du bist. Wer wir sind.<br \/>\n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir sind keine D<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4monen, Nala. Irgendwann werden sie das begreifen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Das ist der Punkt, an dem Nala den Streit jedes Mal aufgibt. Sie wird Wellis nicht von ihrem Irrtum <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Genauso wenig wie Wellis sie von ihrer Hoffnung \u00fcberzeugen kann. Nala wischt sich \u00fcber die Augen, die vom Starren tr\u00e4nen. Doch sie starrt weiter. Der Mond kann lachen, so viel er will, in der Luft hat sich etwas ver\u00e4ndert. Der Wind rei\u00dft an den Zweigen, als wollte er sie zum Schreien bringen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Es ist Kira, die es ausspricht. Leise. Als f<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcrchte selbst sie sich vor den Worten. \u201eWir wissen es, Wellis.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wellis. Nicht K<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4pt\u2019n. Ihr eigener Name trifft sie wie ein Schlag mit der Eisenkette. Aber sie h\u00e4lt sich aufrecht. Noch hat niemand eine Waffe gezogen. Oder gefordert, dass sie ihre ablegt. Wellis lauscht auf den st\u00e4rker werdenden Wind. Vielleicht. Unter ihrer Haut brodelt es jetzt. Wenn sie sich schnell genug wandelt, kann sie hoch oben am Himmel sein, au\u00dfer Reichweite f\u00fcr jede Waffe, jede Magie, sich dem Wind anvertrauen, der sie forttragen wird, sie ihnen entrei\u00dfen, bevor \u2014 <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wenn, wenn, wenn. Sie wei<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00df genau, wie schnell sie sind. Hat sie trainiert, herausgefordert, Seite an Seite mit ihnen gek\u00e4mpft. Flucht ist nur ein Traum. Wie Hoffnung. Nala hat recht gehabt. Verzeih mir. Der Wind rei\u00dft ihre Gedanken mit sich.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie will noch immer nicht gegen sie k<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4mpfen. Wie kann sie diejenigen t\u00f6ten, mit denen sie so lange alles geteilt hat? Fast alles, fl\u00fcstert Nalas Stimme in ihrem Inneren. Und das Fl\u00fcstern durchbricht Wellis\u2019 Starre. Wenn das ihre letzten Augenblicke sind, wird sie ihnen wenigstens in ihrer wahren Gestalt begegnen. Wellis schlie\u00dft die Augen und l\u00e4sst ihr inneres Brodeln in Flammen umschlagen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gebt ihr mehr Raum\u201c, h\u00f6rt sie Kira durch das Br\u00fcllen des Feuers. Doch der Wandel ergreift von ihr Besitz, sie hat keine Zeit, sich \u00fcber die Worte zu wundern. Sie streckt sich, schmiedet ihre Schuppen neu in der Hitze der Flammen, formt ihre Fl\u00fcgel aus dem Wind, trinkt das Mondlicht und den Glanz der Sterne, genie\u00dft die k\u00fchle Luft auf ihren nachtblauen Flanken. Ein tiefer Atemzug. Wellis schl\u00e4gt die Augen auf.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Sie haben sich alle hinter Kira zur<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcckgezogen. Die steht hoch aufgerichtet da. Hat noch immer keine Waffe in der Hand. Ihre Augen sind weit aufgerissen. Und darin liegt \u2014 keine Furcht. Aber auch keine Verachtung. Der Wind ist nur noch ein Wispern. Sie k\u00f6nnte ihn mit wenigen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen neu entfachen. Die Flucht wenigstens versuchen. Wellis streckt z\u00f6gernd die Fl\u00fcgel. Und stoppt. Vor ihr sinkt Kira auf die Knie. Und hinter ihr folgen die anderen. Ihre Waffen klirren leise, als Metall auf Pflasterstein trifft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kira wendet ihre leeren Handfl<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4chen nach oben. \u201eVerzeih, Wellis. K\u00e4pt\u2019n. Ich h\u00e4tte das anders anfangen m\u00fcssen. Wir wissen, dass du kein D\u00e4mon bist. Du bist eine von uns.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wellis ist, als schwanke die Welt. Ist das eine List? Sollen die Worte sie in Sicherheit wiegen, w<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4hrend sie von anderen umstellt wird? Haben sie das alles geplant? Haben sie drinnen mit ihr getrunken, w\u00e4hrend hier drau\u00dfen l\u00e4ngst die Verst\u00e4rkung im Hinterhalt gelauert hat? Aber sie sp\u00fcrt keine anderen Wesen in ihrer N\u00e4he, bis auf die, die vor ihr knien.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bitte.\u201c Sinej senkt den Kopf. \u201eLass uns weiter an deiner Seite sein. Lass uns mit dir k\u00e4mpfen, bis alle verstehen, was wir l\u00e4ngst wissen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Xia lehnt sich vor, so langsam, dass Wellis dar<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcber lachen w\u00fcrde, wenn die Vorsicht ihr nicht noch immer die Kehle verschl\u00f6sse. \u201eK\u00e4pt\u2019n.\u201c Xias Stimme klingt laut und sicher durch die Nacht. \u201eWir brauchen dich.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ulle und Zine, die beide nie viele Worte machen, nicken. Zine st<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6\u00dft Ulle an, und Ulle st\u00f6\u00dft zur\u00fcck. Zine gibt sich nicht geschlagen und w\u00e4re alles wie sonst, w\u00fcrde Wellis jetzt dazwischen gehen, die beiden Geschwister auf Abstand halten, sie schelten, weil das hier kein Spiel ist sondern Ernst. Aber sie wei\u00df noch immer nicht, wem sie glauben darf \u2014 den Worten oder der Furcht. Ulle packt Zines Arm. \u201eStopp mal.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zine verdreht die Augen. Aber stoppt. Ulle seufzt so tief, als m<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcsse sie den Atem daf\u00fcr vom Grund ihrer Seele holen. \u201eNiemand von uns will dich t\u00f6ten, K\u00e4pt\u2019n. Weder dich noch andere wie dich. Wir wollen nur, dass du wei\u00dft, dass wir wissen, wer du bist und an deiner Seite sein wollen.\u201c Ulle gestikuliert so wild, dass Zine ins Schwanken ger\u00e4t. \u201eIch meine, wir wissen es schon eine Weile und niemand ist schreiend weggerannt.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Oder hat dich verraten.\u201c Zine befreit ihren Arm aus Ulles Griff. \u201eWir stehen an deiner Seite, K\u00e4pt\u2019n.\u201c Sie verzieht den Mund. \u201eDas hei\u00dft, wenn wir jetzt wieder aufstehen d\u00fcrfen?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich wei\u00df gar nicht, ob ich das noch kann.\u201c Ulle st\u00fctzt einen Arm ins Kreuz und st\u00f6hnt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kira grinst. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u201eWer hat euch denn Plapperwasser ins Bier gekippt?\u201c Sie blickt zu Wellis. \u201eK\u00e4pt\u2019n? Sagst du auch was?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Hoffnung zupft an dem Seil um ihre Kehle. Wellis setzt eine Tatze nach vorn. Niemand von ihrer Truppe weicht zur<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcck. Sie geht langsam auf sie zu. Der Wind streichelt \u00fcber ihre Fl\u00fcgel. Sie streckt sie unter den sanften Ber\u00fchrungen weit aus. Noch immer knien sie still vor ihr. Kira, Sinej, Xia, Ulle, Zine. Wellis umspannt sie mit ihren Fl\u00fcgeln. \u201eHoch mit euch\u201c, sagt sie leise und blinzelt ihnen zu, als sie vor ihr stehen. \u201eAber glaubt jetzt blo\u00df nicht, dass ich euch nach Hause fliege. Ich bin eure K\u00e4pt\u2019n, nicht euer fliegender Untersatz.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kira lacht als Erste los und steckt sie alle an. Wie immer. Wellis <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00f6ffnet die Fl\u00fcgel und entl\u00e4sst ihr frohes Gel\u00e4chter in die Nacht.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nala runzelt die Stirn und saugt die Luft tief in sich ein. Etwas hat sich ver<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4ndert. Es ist der Wind. Er klingt \u2014 froh.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(F\u00fcr den M\u00e4rz lassen wir uns beim phantastischen Montag von dem Song &#8222;Come To My Window&#8220; von Melissa Etheridge inspirieren. Den Anfang hat Carola Wolff gemacht mit <a href=\"https:\/\/carolawolff.de\/love-fantastic\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Love Fantastic<\/a>. C. A. Raaven folgte mit <a href=\"https:\/\/www.c-a-raaven.de\/phantastischermontag\/window02\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Was es ist<\/a>. Am dritten Montag habe wie immer ich die Ehre, siehe oben. Und am vierten Montag vom M\u00e4rz folgt Alexa Pukall mit <a href=\"http:\/\/alexapukall.com\/marz-das-haus-des-magiers\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das Haus des Magiers<\/a>. Gutes Lesevergn\u00fcgen!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie muss daran glauben, dass Nala da ist, wenn sie heimkommt. Alles andere macht keinen Sinn. Oder: Anders macht alles keinen Sinn. Sie wird den Weg zwischen den alten Kastanienb\u00e4umen entlanggehen, wenn die wei\u00df-rosa Bl\u00fcten im Mondlicht gl\u00e4nzen. Der Wind wird sanft sein und doch einige der Bl\u00fcten von den Zweigen pfl\u00fccken, sie durch die &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=849\" class=\"more-link\">Mehr <span class=\"screen-reader-text\">\u00fcber &#8222;Phantastischer Montag: Auf dem Heimweg&#8220; <\/span>Lesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[231,228],"tags":[291,292,193,241,58],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/849"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=849"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/849\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":873,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/849\/revisions\/873"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=849"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=849"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=849"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}