{"id":899,"date":"2021-06-21T16:24:41","date_gmt":"2021-06-21T14:24:41","guid":{"rendered":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=899"},"modified":"2021-06-21T16:24:41","modified_gmt":"2021-06-21T14:24:41","slug":"phantastischer-montag-mondverzaubert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mkstein.de\/wp\/?p=899","title":{"rendered":"Phantastischer Montag: Mondverzaubert"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Schau mal, der Mond.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kleine Fl<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcgel f\u00e4chern mir einen Windhauch zu. Ich \u00f6ffne die Augen nicht. Den Mond kann ich mir vorstellen und mit geschlossenen Augen dazu auch ein Meer. Und solange ich mich konzentriere, h\u00f6re ich auch das Meer rauschen und der Windhauch wird zu einer k\u00fchlen Brise, die \u00fcber die Wellen zu mir herangetragen wird, die Tageshitze vertreibt.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jetzt schau doch mal!\u201c Drachenkrallen kratzen \u00fcber meinen nackten Oberarm. Selbst auf dem Balkon ist nachts noch T-Shirt-Wetter. Ich lasse widerwillig von meinen Meeres-Gedanken ab und \u00f6ffne die Augen. Der Mond h\u00e4ngt dick und rund am dunklen Himmel, leuchtet \u00fcber H\u00e4userd\u00e4cher und die dichten Bl\u00e4tterkronen der B\u00e4ume.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Und?\u201c, knurre ich, w\u00e4hrend ich \u00fcber die feinen Kratzspuren auf meinem Arm fahre. Ja, der Mond ist h\u00fcbsch. Aber ich kann nichts au\u00dfergew\u00f6hnliches an ihm entdecken. Kein Blutmond, keine Mondfinsternis, nicht einmal ein Supermond oder wenigstens Wolken, die ihn irgendwie geheimnisvoll umranden. Ti\u2019run, silber glitzernd in seinem Licht, hat die Krallen um das Balkongel\u00e4nder geschlungen \u2014 die der Hinterpfoten um die untere Stange, die der Vorderpfoten um die dar\u00fcber \u2014 und starrt das sanft leuchtende Gebilde dort oben an, als g\u00e4be es nichts Faszinierenderes im Universum. Ihre Fl\u00fcgel schwanken leicht in einer nicht vorhandenen Nachtbrise.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Was, meinst du, liegt dahinter?\u201c, fragt sie ungewohnt leise.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich krame in meinem Kopf. Aber Sternenkarten sind da nicht abgespeichert. Verl<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4uft die Milchstra\u00dfe von hier aus gesehen \u2014 wenn sie denn zu sehen w\u00e4re \u2014 hinter dem Mond? Ich wei\u00df es nicht. Ich wei\u00df nicht einmal, welcher der Planeten hinter dem Mond liegt. Dabei musste ich die Reihenfolge als Kind mal auswendig lernen. Aber liegen die Planeten \u00fcberhaupt hinter dem Mond? Da oben steht ja nix still. Meine Gedanken drehen sich, und ich habe schon zu lange geschwiegen. Also zucke ich nur mit den Schultern. \u201eSterne?\u201c, schlage ich doch noch z\u00f6gernd vor.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dieses Mal ist es Ti<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2019run, die knurrt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Mir reicht<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2019s. \u201eIch bin keine Astronautin. Oder Sterndeuterin. Oder Astrophysikerin. Oder wer sich sonst mit so Zeug auskennt\u201c, mosere ich.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Aber du bist Autorin.\u201c Der kleine Drache faltet die Fl\u00fcgel und dreht sich zu mir um, die Augenbrauen eng zusammengezogen. \u201eAlso lass dir gef\u00e4lligst was einfallen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Zu warm\u201c, protestiere ich. \u201eMein Hirn ist Matsch.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ti<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2019run seufzt so tief, dass ihr ganzer kleiner K\u00f6rper von dem Laut bebt. \u201eDu machst es einem Drachen echt nicht leicht.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ach ja?\u201c Wenn mir nicht so warm w\u00e4re, w\u00fcrde ich wild gestikulieren vor Emp\u00f6rung. \u201eDu hast es also nicht leicht? Du musst dir die Geschichten nicht ausdenken! Du rennst nicht mit dem Kopf gegen Mauern oder musst zusehen, wie jeder einzelne Einfall unter der Hitze verdampft! Du tust doch nichts als schlafen, fliegen, Dinge in Brand setzen, bl\u00f6de Bemerkungen machen, wieder schlafen, abh\u00e4ngen, Chaos stiften, faulenzen, nutzlose Fragen stellen.\u201c Ich stoppe, weil mir als n\u00e4chstes nur wieder schlafen einf\u00e4llt und ich Wiederholungen nicht mag.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ti<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2019run hat den Kopf zur Seite gelegt. \u201eFertig?\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr den Moment.\u201c Ich schaue zum Mond, weil sonst mein \u00c4rger verpuffen w\u00fcrde, weil der kleine Drache an meinem Balkongel\u00e4nder zu niedlich aussieht. Ein unfairer Vorteil.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir schweigen beide. Bestimmt schaut auch Ti<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2019run wieder zum Mond. Ich muss zugeben, er sieht sch\u00f6n aus, wie er da im Dunkeln leuchtet, der Nacht ein sanftes Licht schenkt, in dem Bl\u00e4tter, \u00c4ste, Schornsteine und H\u00e4userd\u00e4cher scharfe Umrisse bekommen. In unserem Schweigen macht sich Ti\u2019runs Frage erneut in meinem Kopf breit. <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Was, meinst du, liegt dahinter?<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Vielleicht <\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u2014 nein! Nein, so leicht werde ich es ihr nicht machen und mich verf<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fchren lassen, mir eine Antwort zusammenzuphantasieren. Soll sie sich doch selbst was ausdenken. Gibt doch bestimmt Drachenmythen zum Mond und allem, was dahinter liegt.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">H\u00f6rst du das?\u201c, wispert Ti\u2019run.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich halte den Atem an. Lausche. Nicht mal ein Blatt raschelt. Die Fenster in den umliegenden H<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4usern sind zwar weit ge\u00f6ffnet, aber auch aus ihnen dringt kein Laut. Nicht einmal ein Schnarchen. Ich sto\u00dfe die angehaltene Luft aus, st\u00f6re die Stille, atme tief ein. Und dann h\u00f6re ich sie. Ganz leise.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine Melodie, aber keine Stimme, kein Instrument, das ich kenne. Ich lausche. Die Melodie wiegt die Nacht wie ein Meer, zieht Silberf<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00e4den durch das Wasser, kribbelt k\u00fchl auf meiner Haut und ich folge ihr, drehe mich in ihrem Licht, strecke die Arme, wirbele herum, schaukele auf den T\u00f6nen, folge dem Auf und Ab der Wellen. Helles Drachenlachen mischt sich unter die Melodie, schmiegt sich in sie ein, so wie Ti\u2019run geschmeidig um mich herum fliegt und flattert und mit mir tanzt und ich mit ihr und wir mit dem Mond.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Constantia, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich stehe still, ich sinke zur<\/span><span style=\"font-size: medium;\">\u00fcck auf meinen Stuhl, vielleicht bin ich nie aufgestanden, nur mein Atem, der laut durch mich str\u00f6mt, behauptet etwas anderes. Ti\u2019run landet auf meinem linken Unterarm. Ich hebe sie an mein Gesicht, neige den Kopf zu ihr, dorthin, wo sich ihre Ohrmuscheln hinter Schuppen verbergen und fl\u00fcstere: \u201eHinter dem Mond, da \u2026\u201c Ich bewege die Lippen an ihren Schuppen, sodass nur sie mich h\u00f6ren kann und beginne zu erz\u00e4hlen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-885\" src=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"349\" srcset=\"http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond.jpg 840w, http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond-300x125.jpg 300w, http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond-768x319.jpg 768w, http:\/\/mkstein.de\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kraniche_Mond-500x208.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><\/p>\n<p>(Im Juni lassen wir uns beim phantastischen Montag von dem Song &#8222;Bella Luna&#8220; von Jason Mraz inspirieren. Wozu das so gef\u00fchrt hat, k\u00f6nnt ihr auch hier nachlesen bei <a href=\"https:\/\/carolawolff.de\/die-mondscheinprinzessin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Carola Wolff<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.c-a-raaven.de\/phantastischermontag\/bellaluna02\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">C. A. Raaven<\/a> und n\u00e4chsten Montag dann auch bei Alexa Pukall &#8211; viel Spa\u00df mit dem sch\u00f6nen Mond und der Lekt\u00fcre!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSchau mal, der Mond.\u201c Kleine Fl\u00fcgel f\u00e4chern mir einen Windhauch zu. Ich \u00f6ffne die Augen nicht. Den Mond kann ich mir vorstellen und mit geschlossenen Augen dazu auch ein Meer. 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