Stadtmagie – Teil 1

Neues Jahr, neue Vorsätze: Dieses Jahr will ich es endlich mal schaffen, diesen Blog regelmäßig ein Mal in der Woche zu bespielen! (tief Luft holen) Und da das mit einem Thema leichter fallen sollte (hoffe ich wenigstens), hab ich mir für diese Beiträge den Titel „Stadtmagie“ einfallen lassen. Mir wird öfter mal gesagt, ich sei so ein Hans-Guck-In-Die-Luft, wenn ich durch die Straßen laufe – kann ich verstehen … Aber das liegt nur daran, dass ich so viele interessante Kleinigkeiten entdecke, mit denen dann die Fantasie mit mir durchgeht. Was liegt also näher, als diese Entdeckungen hier mit euch zu teilen? 😉

Schluss der Vorrede, los geht’s:

Wenn man hier das S streicht, erhält man …

Eindeutig, oder? Das ist eine Tarnung für’s WunderAmt. Kommt daher als ein kleiner Laden mit allerlei Krimskrams (inklusive Notizbücher, sehr gefährlich für mich), aber ich bin mir sicher: Wenn man reingeht und das Codewort kennt, wird man umgehend in die Hinterstube geführt, wo ein grummeliger Zwerg an einem Schreibtisch hockt und mit einem Füllfederhalter etwas offensichtlich Wichtiges auf einem Pergament notiert. Er blickt nicht auf, wenn man reinkommt, grummelt nur: „Ziehen Sie eine Nummer und warten Sie, bis Sie aufgerufen werden.“

Tatsächlich entdeckt man dann beim Umschauen einen kleinen goldenen Automaten an der Wand rechts. Mehrere silberne Hebel und Drehknöpfe sind daran, über denen steht: Kleine Wunder erledigen wir sofort, größere dauern etwas länger. Üben Sie sich in Geduld.

Von der unteren Hälfte des Automaten starrt einen ein Drachenkopf mit weit aufgerissenem Maul an. Er ist quietschgrün und streckt eine leuchtend rote Zunge heraus, die sich einem wie eine Miniaturrutsche entgegenreckt. Man denkt sofort an kleine Elfen, die sich bei Nacht damit amüsieren, sobald der grummelige Zwerg das Büro verlassen hat.

Neben jedem Hebel und jedem Knopf ist ein Wort in geschwungener dunkelblauer Schrift aufgemalt.

  • Kleine Wunder
  • Mittlere Wunder
  • Große Wunder
  • Viertelwunder
  • Halbwunder
  • Dreiviertelwunder
  • Ganzwunder

Während man sich noch wundert, in welche Kategorie das eigene gewünschte Wunder wohl fällt, grummelt der Zwerg: „Lesen Sie die Anleitung, bevor Sie wählen. Falsche Entscheidungen halten nur unnötig lange auf.“

Und so entdeckt man, dass der oberste Drehknopf ganz rechts eine andere Bezeichnung trägt als alle anderen: Anleitung zur Wunderwahl. Knopf drei Mal links herum drehen, dann ziehen.

Also dreht man, eins, zwei, drei Mal und zieht. Ein helles Klingeln ertönt, dann hört man ein Geräusch, das an Kindheitszeiten erinnert, an eine Murmelbahn, diese wunderbaren Konstruktionen aus Metall oder auch Holz, über die man bunte Kugeln schickte und voller Staunen ihre Bahn verfolgte. Hier kann man den Weg der Murmel zunächst nur belauschen, bis sie dann über die Zunge des Drachen in die eigene, schnell darunter gehaltene Hand rollt. Bei der Berührung mit der Handfläche springt die Kugel auf und entfaltet sich zu einem dicken, samtigen Pergament …

… Was darauf steht? Ich weiß es nicht. Denn leider, leider kenne ich auch das Codewort nicht, das mich ins Hinterzimmer zu dem grummeligen Zwerg führen würde …

Ein Gedanke zu “Stadtmagie – Teil 1

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