Wie ein Roman entsteht (manchmal)

In den letzten Jahren habe ich viel gelernt über die Stadt, in der ich aufgewachsen bin und in der ich auch heute noch lebe. Alles fing mit der Frage an, ob ich eine Kurzgeschichte schreiben wolle. Maximal 25 Seiten sollte sie haben und von einer letzten Nachricht der großen Liebe handeln.

Eigentlich fing es noch vor dieser Frage an. Denn ein paar Monate davor hatte ich einen Ausschnitt einer Doku gesehen, in der jemand erzählte, wie er sich 1961 als Junge immer mit seinen Kumpels auf einem bestimmten Platz zum Fußballspielen traf. Es waren Sommerferien, und die Kumpels kamen aus Ost wie West. Dann, eines Sonntags, standen die Kumpels aus Westberlin allein auf dem Platz und warteten, aber die Jungs aus Ostberlin kamen nicht. Es war der 13. August 1961. Diese kleine Geschichte ließ mich nicht los. Und so hing sie mir noch im Kopf, als die Verlagsanfrage kam, und ich fragte zurück, ob die Geschichte in der Gegenwart spielen müsse oder auch etwas weiter zurückliegen dürfe. Sie durfte. Und ich sagte zu, ohne noch eine genauere Idee zu haben, wie ich all diese Einzelteile nun zu einer Geschichte zusammenfügen sollte.

Da ich nur eine grobe Vorstellung von Berlin 1961 hatte, fing ich an zu lesen. Und nach mehr Dokus zu suchen und im Freundeskreis meiner Mutter herumzufragen – und schnell war ich von der Zeit damals gepackt, von dem Berlin, das so ganz anders war, als ich es kannte, von den Menschen, die Berlin noch ganz selbstverständlich als eine Stadt betrachtet hatten, während sie für mich lange eine geteilte gewesen war, ja, eigentlich zwei voneinander unabhängige Städte.

So entstand allmählich die Kurzgeschichte „Ein halber Sommer lang“ um Lennie und Marie, zwei Mädchen, die eine aus West-, die andere aus Ostberlin, für #herzleer (Oetinger, 2017). Und als daraufhin aus dem Verlag die Frage kam, ob ich mir vorstellen könnte, aus der auch einen Roman zu entwickeln, habe ich gern zugesagt und mich daran gemacht, die Geschichte um Lennie und Marie noch etwas ausführlicher zu erzählen. Sie ist nun bald nachzulesen in dem Roman „Ein halber Sommer“ (Oetinger, Juli 2019).

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