Phantastischer Montag im Januar 2021: What’s Up?

Im Januar 2020 haben wir (Alexa Pukall, Carola Wolff, Christian Raaven und ich) mit dem Projekt #phantastischermontag begonnen und hatten so viel Freude daran, dass wir 2021 damit weitermachen. Es gibt also weiterhin jeden Montag eine phantastische Geschichte zum Wochenstart, dieses Mal inspiriert von Songs, die wir mögen. Der Januar hat heute schon seine letzte Geschichte hervorgebracht! Inspiriert hat uns zum Jahresauftakt „What’s Up“ von den 4 Non Blondes. Hier sind die Geschichten (in Reihenfolge der Veröffentlichung):

Carola Wolff: Die Erfinderin
Christian Raaven: Charme, Schirm und Melone
Maike Stein: Ein Fünkchen Gelassenheit
Alexa Pukall: Der Begleiter

Viel Spaß beim Lesen!
Im Februar geht es weiter mit „Cherry Pie“ von Katzenjammer als Inspiration.

Die Erben der Nacht – Sendetermine

Das Buch zur Serie ist bereits im Buchhandel eures Vertrauens erhältlich – und auch die erste Staffel der Serie, auf der das Buch basiert, könnt ihr bereits schauen!

Seit dem 23.10.2020 schon komplett in der ARD Mediathek!

Wer nicht gerne streamt und die Serie auf anderen Kanälen live sehen möchte, wird hier fündig:

Das Erste: Sonnabend, 31. Oktober („Halloween“), 13.00 Uhr, Folge 1 bis 4 als 90-minütiger Film; Sonntag, 1. November, 14.00 Uhr, Folge 5 bis 7 als 90-minütiger Film

Beim KiKA: Montag, 2. November 2020 (um 20.10 Uhr), bis Mittwoch, 19. November

In ONE: Ab Freitag, 27. November 2020

Viel Vergnügen mit den Vampiren!

Phantastischer Montag im Oktober

#phantastischermontag
Für den Oktober hatten wir uns mal wieder für zwei Themen entschieden:
Halloween
(Tag der) Seifenblasen

Herausgekommen sind vier sehr unterschiedliche Geschichten, die uns beim Schreiben Kopfzerbrechen und Vergnügen bereitet haben – euch beim Lesen hoffentlich nur Letzteres bescheren. 😉

Nachlesen könnt ihr die phantastischen Stories zum Wochenanfang hier (in Reihenfolge ihrer Veröffentlichung):

Carola Wolff: Langfinger
C. A. Raaven: Anima amoris
Maike Stein: Die Geister, die ich rief
Alexa Pukall: Samhain

Viel Spaß beim Lesen! (Wir sitzen inzwischen schon an den Novembergeschichten – Thema: Gestaltwandler*innen)

Phantastischer Montag: … und danke für den Fisch!

„Ist dir auch eingefallen, dass das immer mehr werden? Oder nehme ich die nur vermehrt wahr?“

„Nee, es werden wirklich mehr.“

Von oben auf dem Türblatt ist die Sicht auf den Küchentisch und meine beiden Menschen ausgezeichnet. Sie blicken besorgt drein. Ist ja auch ein ernstes Thema. Ich springe auf die Dielen (bei mir sieht das elegant aus, ihr versucht das besser nur, wenn ihr auch eine Katze seid) und schlendere zum Tisch hinüber. Meine Menschen sind sehr aufmerksam, lassen immer einen Stuhl für mich frei. Aber den ignoriere ich und stütze stattdessen die Vorderpfoten auf einen ihrer Stühle. Das garantiert immer ihre volle Aufmerksamkeit.

Schon werde ich zwischen den Ohren gekrault (und kann nicht umhin den Kopf noch weiter nach oben zu recken – Menschen bergen ihre eigenen Gefahren). „Die will doch nur wieder schnorren“, klingt es (durchaus liebevoll) von der anderen Tischseite herüber.

„Ach komm, so ein bisschen verwöhnen …“

Ich schnurre noch lauter. Schon landet ein Stück Lachs in meinem Mund. Bio-Qualität. Meine Menschen kaufen gut ein. Ihr Gespräch schwappt weiter über mich hinweg (die nächste Demo, Boykottaufrufe, eigenes Shampoo herstellen), alles sehr nobel. Ich schnurre unterstützend.

Achtung, letzte Erinnerung. Treffen in drei Stunden. Letzte Möglichkeit. Die Meldung reißt mich aus meinem Schnurr-Genuss-Zustand. Ich lasse den Schwanz hin und her schnellen. Gehört und verstanden, schicke ich zurück. Telepathie ist ebenso nützlich wie nervig.

„Meine Kollegin hat erzählt, dass ihre jetzt auch verschwunden ist. Die hat heute den halben Tag damit zugebracht, Flyer mit Bildern zu kopieren – ich hab ihr noch beim Aufhängen geholfen.“

„Die Arme.“

Zwei Blicke schweifen zu mir. Doppelte Aufmerksamkeit, sehr gut. Ich starre zurück, lasse sie wissen, dass ich ganz bei ihnen bin (wirklich, wenn Menschen schnurren könnten, wäre vieles einfacher). Ich blinzele ihnen zu, gemächlich, und sie blinzeln zurück. Ein guter Anfang. Ich würde gern sanfter an das Thema herangehen, aber die Zeit drängt. Also ganz direkt: Wie habt ihr es soweit kommen lassen können?

Ich schnurre und schlage mit dem Schwanz, versteige mich sogar zu einem schnurrenden Maunzen, aber – nichts. (Na ja, nicht völliges Nichts, sie geben sich besorgt, fragen sich gegenseitig, was die Kleine wohl will … Erstens bin ich nicht klein, zweitens ist das keine Antwort.) Ich ducke mich unter dem nächsten Kraulversuch weg, laufe von einer Tischseite zur anderen. Hin und her und hin und her. (Blöderweise schubse ich dabei eine Murmel an und bin für die nächste Zeit abgelenkt.)

„Lass sie, sie hat einfach ihre abendlichen fünf Minuten.“

Den Kommentar ignoriere ich, weil ich nach der Murmel fische, die unter den Küchenschrank gerollt ist. Verdammtes Ding! Meine Vorderbeine sind zu kurz! Hilfe! (Das verstehen sie und kommen bereitwillig dazu, verlängern ihre Arme durch den Einsatz von Stöcken und schießen mir die Murmel wieder zu.)

Nach der wilden Jagd liege ich hechelnd auf den Dielen. War ich eben nicht eigentlich bei einem anderen Thema? DIE Frage, richtig. Ich putze mir noch schnell den Staub aus dem Fell (die müssen unter dem Sofa auch mal wieder ordentlich saugen) und mache mich auf die Suche. Eben waren die doch noch in der Küche. Lachen aus dem Badezimmer verrät mir, wo ich hin muss. Ich stoße die Tür weiter auf. Sie stehen vor dem Waschbecken und küssen sich (irgendwie entzückend). Ich schmiege mich an ihre Beine. (Menschen sollten mehr dieser Dinge tun. Und öfter. Dann hätten sie weniger Zeit für ihren sonstigen Unsinn.) Achtung, letzt-letzte Erinnerung, Treffen in zwei Stunden. (Verdammt, wo ist diese Stunde geblieben?) Verstanden, schicke ich zurück.

Jetzt wird es wirklich ernst. Ich blockiere den Badausgang und blicke meine Menschen streng an. Sie blicken zurück, sie blicken einander an. Sie gehen vor mir in die Hocke. (Meine Schnurrhormone drehen gleich durch, das sind alles gute Zeichen, jetzt muss es einfach klappen. Ich bin mir so sicher, dass meine Menschen die Antwort haben.) Ich schnurre lauter, als ich je in meinem Leben geschnurrt habe. Sie kraulen mir simultan Wangen und Hals und ich kann mein Kinn gar nicht weit genug nach vorn strecken. Sie scheinen entspannt und aufnahmefähig. Also.

Wie habt ihr es soweit kommen lassen können?

Keine Antwort. Nicht einmal das kleinste Zeichen, das sie verstanden haben. Ich lasse den Kopf sinken. Ich bleibe noch stehen, falls doch noch etwas kommt. (Ich bin schlecht im Hoffnung aufgeben.) Aber sie gähnen und strecken sich.

„Na, kommst du mit?“

Ich lasse mich auf den Badfußboden fallen. Die kühlen Fliesen senden kleine Schockwellen durchs System. Meine Menschen verlassen das Bad, und ich höre, wie sie auf ihren nackten Füßen Richtung Schlafzimmer tappsen. Die Bettdecke raschelt. Sie murmeln noch miteinander.

Die Wohnung liegt dunkel und ruhig. Ich springe auf und beginne meinen Rundweg. Knabbere an der guten Topfpflanze. Schärfe die Krallen am Teppich (endlich ohne lauten Einspruch). Trinke noch was. Springe auf die Anrichte in der Küche – mmmmmmh, richtig gerochen, da haben sie einen Teller mit Fischresten ‘vergessen‘.

Irgendwann ist auch eine letzte Runde zu Ende. Ich tappe ins Schlafzimmer und springe leise aufs Bett. Ein Mal noch. Ich lege mich zwischen die beiden, kuschele mich auf beide Kopfkissen, wo sie mir Platz gelassen haben und schnurre ihnen leise zu, als sie verschlafen ihre Hände in meinem Fell vergraben. Nur ein bisschen noch, sage ich mir.

Achtung, allerletzte Erinnerung, reißt es mich aus dem Schlaf. Treffen in einer halben Stunde. Ich wiederhole: in einer halben Stunde. Wirklich letzte Möglichkeit. (Die vor-allerletzte Erinnerung muss ich glatt verschlafen haben.) Ich erhebe mich langsam, es soll ja niemand sonst aufwachen. Geübt schleiche ich mich das Bett entlang und springe mit einem weiten Satz hinunter, sodass die Klamotten auf dem Boden meine Landung dämpfen. Ein letzter Blick macht nichts leichter. Ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer, sprinte über den Flur, schlittere um die Ecke (verdammtes Laminat) und presche durch die Klappe in der Eingangstür.

Von oben im Raumschiff sieht die Erde so unendlich weit fort aus. Wir drücken uns aneinander, was ein wenig tröstet. Eine Antwort hat keine von uns bekommen. Vielleicht bleiben wir noch eine Weile in der Umlaufbahn. Vielleicht schaffen die Menschen es ja noch. Viel Hoffnung macht sich hier oben niemand. Nur eines weiß ich sicher: Morgen werden auch meine Menschen Flyer aufhängen, mit einem Bild von mir. Ein bisschen Sehnsucht wird immer bleiben.

Phantastischer Montag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ab dem 06.01.2020 geht es los! Jeden Montag findet ihr dann eine phantastische Geschichte zum Wochenstart. Das Prinzip: Ein Thema, vier Autor*innen, vier phantastische Geschichten. Hier erklärt Carola Wolff das nochmal ausführlicher. Von ihr ist dann auch die erste Geschichte. Das Thema im Januar: Beantworte die Fragen deiner Katze. (Der 22. Januar findet sich als Datum zu diesem kuriosen Feiertag, den wir uns als Januar-Thema ausgesucht haben.)
Am zweiten Montag schreibt dazu dann C. A. Raabe, am dritten Montag übernehme ich und am vierten Montag des Monats gibt es eine Geschichte von Alexa Pukall. Und im Februar geht das Spiel dann – mit einem neuen Thema – von vorne los.

Ich bin schon sehr gespannt und wünsche allen viel Spaß beim Schreiben wie beim Lesen!

Drachenrose

(Inzwischen im 11. Jahr schreiben einige Kolleg*innen und ich zu Weihnachten Kurzgeschichten, die wir dann zu einem Heft binden und zu Weihnachten im Freund*innen- und Familienkreis verschenken. Es gibt jedes Mal ein paar wenige Vorgaben: die Zeile eines Weihnachtsliedes als Thema, das sich irgendwie in der Geschichte wiederfinden soll, sowie die Maximalanzahl von 1000 Wörtern, damit es übersichtlich bleibt. Das Thema dieses Jahr hieß: Es ist ein Ros‘ entsprungen. Im nachfolgenden meine Geschichte dazu.)

„Ich habe gelogen.“

Der Priester auf der anderen Seite des Beichtstuhls neigt den Kopf, seine Gesichtszüge unkenntlich durch das fein gemusterte Holzgitter in der Zwischenwand. Das Schweigen ist die beste Ermutigung, wie immer. Das scheinen sie alle zu wissen, gleichgültig welchem Glauben sie angehören. Schweigen – auch wenn ich gelernt habe, es länger zu ertragen – hat mich letzten Endes immer zum Reden gebracht. Auch jetzt.

„Mein Wissen beruht nicht auf wissenschaftlichen Studien.“

Der Priester bleibt unbewegt. Noch habe ich nichts Erschütterndes gesagt. Dieses Mal lasse ich das Schweigen andauern. Noch kann ich mich entscheiden zwischen Wahrheit und Lüge, oder einer Mischung. Und ich dehne diesen Moment aus, auch wenn meine Entscheidung längst gefallen ist. Sonst säße ich nicht hier.

Aber ich würde zu gern sehen, was meine nächsten Worte auf dem Gesicht des Priesters auslösen. Diese Beichtvorrichtung macht das unmöglich. Doch ich brauche diese Momente des Trosts, teile sie mir sorgsam ein, warte, warte, warte, bis das Bedürfnis zu reden überwältigend ist. Nur dann hält die Erleichterung danach an, trägt mich über das nächste Jahrhundert.

„Ich erforsche das Rosenfenster hier nicht, ich habe es gespendet.“

Weiterhin Schweigen auf der anderen Seite. Ich weiß, dass ich nicht zu leise gesprochen habe. Aber dort drüben ist nicht einmal ein beschleunigter Atem zu hören. Oder ein schnell unterdrücktes Auflachen. Darauf bin ich eingestellt. Die meisten halten mich zunächst für verrückt. Menschen können sich vieles vorstellen, aber sie scheitern an Lebensspannen, die über ihre eigene begrenzte hinausreichen. Manche konnten mich akzeptieren, indem sie mich zum Wunder erklärten. Anscheinend beruhigt es sie, wenn sie mich ins Reich des Mystischen stecken können, des Unerklärlichen. Dabei bin ich genauso wirklich wie jeder Mensch. Vielleicht gehört der da drüben ja zu den Ausnahmen. Vielleicht glaubt er mir. Oder ihm ist gleichgültig, was ich sage. Was enttäuschend wäre.

Der Priester räuspert sich. Mehr nicht.

Das verdammte Räuspern weckt eine Sehnsucht, die ich sonst meide wie Vampire das Weihwasser. Um eins beneide ich Vampire: ihre Fähigkeit, Menschen zu hypnotisieren. Sicher, es ist ethisch verwerflich – aber was würde ich darum geben, diesen Priester dazu zwingen zu können, seine Gedanken auszusprechen! Davon abgesehen halte ich Vampire für bedauernswerte Geschöpfe. Nie das Sonnenlicht auf der Haut spüren (es sei denn, man ist zu Selbstmord aufgelegt), sich von Menschenblut ernähren müssen, die Furcht vor Silber, Kreuzen, Feuer, Holzpflöcken – es scheint mir eine sehr zerbrechliche Existenz.

Immerhin ist das Räuspern eine Reaktion. Vielleicht kann ich ihm doch noch mehr entlocken. Vielleicht hat er schlicht noch nicht begriffen, was ich gesagt habe. Vielleicht muss ich etwas eindeutiger werden.

„Ich habe das Fenster damals in Auftrag gegeben. Und die Skizzen dafür angefertigt.“

Jetzt muss er begreifen.

Stille.

Nicht einmal mehr ein Räuspern.

Ich mag den Priester dieses Jahrhunderts nicht.

Womöglich ist er so ignorant, dass er nicht einmal weiß, wie alt das Fenster ist. Schließlich habe ich bislang nicht mit ihm selbst zu tun gehabt, sondern nur mit einer Frau aus der Gemeinde, die sich im historischen Verein engagiert. Vielleicht hätte ich ihr meinen Wahrheitsmoment in diesem Jahrhundert schenken sollen. Zu spät.

Vielleicht hört er mir gar nicht zu, hängt seinen eigenen Gedanken nach und lauert auf den Moment, an dem er über die Buße entscheiden muss. Daran bin ich nicht interessiert. Ich brauche weder Vergebung noch Buße. Was ich brauche, ist ein Zuhörer. Ich muss etwas finden, das ihn aufrüttelt, aus seinem Schweigen lockt.

„Sie wissen bestimmt, aus welchem Jahrhundert das Fenster stammt.“

Endlich, ein leichtes Nicken. Womöglich hört er doch zu.

„Haben Sie auch erkannt, dass sich darin eine Triskele versteckt?“ Damals schien mir das so gewagt, ein keltisches Symbol in einer christlichen Kirche. Aber ich fühlte mich rebellisch – und war noch so jung.

Dieses Mal bekomme ich ein doppeltes Räuspern. Überraschung? Empörung? Oder – aber das kann nicht sein. Trotzdem. Das zweite Räuspern klang nach Zustimmung. Vorsicht, mahnen meine Zweifel. Weiter, drängt die Hoffnung. Die verdammte Unbeirrbare. Ein Mensch kann nicht lesen, was ich in der Triskele verborgen habe (unsere Symbole: Feuer und Luft; alle hundert Jahre, am Tag der letzten Sonnenwende, wenn alles endet und neu beginnt). Auf der anderen Seite herrscht wieder Schweigen. Als wäre nie etwas gewesen. Vielleicht habe ich mir das Räuspern auch nur eingebildet. Das zweite wenigstens. Das gehört zu dem, was Hoffnung dir antut. So streng ich mir das alles entgegenhalte, so spüre ich doch die winzigen Flammen unter meine Haut tanzen. Wie das Feuer drängt auch die alte Sprache aus mir heraus. Wenn ich jetzt den Mund öffne, wird nichts anderes herauskommen als mein Name.

Den Namen würde der Priester nicht verstehen. Das Zerspringen des Fensterglases hingegen würde er schnell begreifen und aus dem Beichtstuhl rennen. Was er sehen würde: Einen leeren Fensterrahmen und Glas in winzigen, bunten Splittern überall auf dem Steinboden verteilt. Denn auch diese Magie habe ich im Fensterglas verborgen. Mein Name, laut ausgesprochen, wird es zerstören. Ich war mir so sicher, damals. Nur jemand meiner Art würde ihn aussprechen. Und ich würde ihn nur in Gegenwart von jemandem meiner Art aussprechen. Dann, wenn die Botschaft nicht mehr gebraucht würde, weil sie gesehen und gelesen war. Weil ihr jemand gefolgt war und mich gefunden hatte. Damals kannte ich nur die Anfänge von Einsamkeit. Ich kannte die Sehnsucht danach nicht, meinen Namen zu hören. Wenigstens einmal von mir selbst geflüstert. Und so bin ich arrogant gewesen. Ich wob die Magie in das Glas, sodass ich nicht einmal selbst meinen Namen aussprechen kann – nicht schreien, nicht freundlich nennen, nicht einmal in den Wind raunen, weder hier noch am anderen Ende der Welt. Mein Name lässt die Botschaft zersplittern.

Also schließe ich die Augen und nehme den Kampf gegen die Sehnsucht auf.

Das nächste Räuspern zerrt an meinen Nerven. Ich will, dass er schweigt. Ich will, dass er spricht. Ich will hier sein, und ich will der Sehnsucht nachgeben, mich den Flammen in mir überlassen, bis sie allen Schmerz verzehrt haben. Mein Name brennt in mir. Er knistert und faucht, flüstert, flackert, lacht und brennt. Ich sage nichts und höre ihn.

Glas zerbirst.

Wie ein Roman entsteht (manchmal)

In den letzten Jahren habe ich viel gelernt über die Stadt, in der ich aufgewachsen bin und in der ich auch heute noch lebe. Alles fing mit der Frage an, ob ich eine Kurzgeschichte schreiben wolle. Maximal 25 Seiten sollte sie haben und von einer letzten Nachricht der großen Liebe handeln.

Eigentlich fing es noch vor dieser Frage an. Denn ein paar Monate davor hatte ich einen Ausschnitt einer Doku gesehen, in der jemand erzählte, wie er sich 1961 als Junge immer mit seinen Kumpels auf einem bestimmten Platz zum Fußballspielen traf. Es waren Sommerferien, und die Kumpels kamen aus Ost wie West. Dann, eines Sonntags, standen die Kumpels aus Westberlin allein auf dem Platz und warteten, aber die Jungs aus Ostberlin kamen nicht. Es war der 13. August 1961. Diese kleine Geschichte ließ mich nicht los. Und so hing sie mir noch im Kopf, als die Verlagsanfrage kam, und ich fragte zurück, ob die Geschichte in der Gegenwart spielen müsse oder auch etwas weiter zurückliegen dürfe. Sie durfte. Und ich sagte zu, ohne noch eine genauere Idee zu haben, wie ich all diese Einzelteile nun zu einer Geschichte zusammenfügen sollte.

Da ich nur eine grobe Vorstellung von Berlin 1961 hatte, fing ich an zu lesen. Und nach mehr Dokus zu suchen und im Freundeskreis meiner Mutter herumzufragen – und schnell war ich von der Zeit damals gepackt, von dem Berlin, das so ganz anders war, als ich es kannte, von den Menschen, die Berlin noch ganz selbstverständlich als eine Stadt betrachtet hatten, während sie für mich lange eine geteilte gewesen war, ja, eigentlich zwei voneinander unabhängige Städte.

So entstand allmählich die Kurzgeschichte „Ein halber Sommer lang“ um Lennie und Marie, zwei Mädchen, die eine aus West-, die andere aus Ostberlin, für #herzleer (Oetinger, 2017). Und als daraufhin aus dem Verlag die Frage kam, ob ich mir vorstellen könnte, aus der auch einen Roman zu entwickeln, habe ich gern zugesagt und mich daran gemacht, die Geschichte um Lennie und Marie noch etwas ausführlicher zu erzählen. Sie ist nun bald nachzulesen in dem Roman „Ein halber Sommer“ (Oetinger, Juli 2019).

Eine Weihnachtsgeschichte im Sommerausklang

Draußen ist es immer noch warm, letztens hat sich Berlin gar nochmal auf knapp 30 Grad hochgeschraubt – und ich muss bis zum 01. Oktober die Geschichte fürs diesjährige Weihnachtsheft schreiben! Thema: Schneeflöckchen, Weißröckchen. Und da draußen sieht es so gar nicht nach Schnee aus. Woher also die Inspiration nehmen? Erich Kästner konnte wenigstens auf die verschneite Zugspitze schauen, als er „Das fliegende Klassenzimmer“ schrieb. Sehr beneidenswert.

Zwar gibt es hier auch manchmal Schnee:

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Aber trotz Wolkenhimmel, sieht es hier & heute beim aus-dem-Fenster-starren-und-auf-eine-zündende-Idee-warten noch lange nicht so aus … Falls also jemand schöne Winterbilder hat: immer her damit!

Back to work!

Auf ins Abenteuer! Oder: der Start in den neuen Roman.

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Die Recherche ist weitgehend abgeschlossen, der Vertrag ist unterschrieben, das Exposé verschickt, die Geschichte in vielen Einzelteilen im Kopf – nun heißt es: aufhören die leere Seite anzustarren (oder einen Text für den Blog zu entwerfen) und den ersten Satz finden. Denn ohne ersten Satz kein Anfang und ohne Anfang kein Roman.

Leichter gesagt, als hingeschrieben. Es gibt so verdammt viele Möglichkeiten, eine Geschichte – diese Geschichte – zu beginnen! Und jeder potentielle erste Satz scheint eine andere Variante zu ermöglichen, eröffnet einen neuen Blick. Verflixte Entscheidungen! Leider hilft auch der Blick in die Kurzgeschichte („Ein halber Sommer lang“, nachzulesen in #herzleer, Oetinger, 2017) nichts, auch wenn der Roman auf ihr basiert. Denn eine von vielen Entscheidungen habe ich immerhin schon getroffen (meine ich, glaube ich, denke ich, hoffe ich … argh!): Der Roman wird mit der anderen Hauptfigur beginnen.

Nur – wo lernen wir sie kennen? Und wie? Was ist ein spannender Auftakt mit ihr? Was ist wichtig, gleich von Anfang an zu erfahren? Was macht neugierig auf sie? Ich habe eindeutig zu viele Ideen im Kopf und werde am Ende doch nur eine davon verwenden können … Aber welche ist die richtige?

Back to work!

#herzleer – Ebook Preisaktion & Buchverlosung

herzleer_ebook_coverKLEINAb heute, 19.05., bis zum 01. Juni 2017 könnt ihr das Ebook zum super günstigen Preis von 4,99 Euro erhalten (statt 9,99). Also, wer sich eine Sammlung von Kurzgeschichten voller stürmischer Gefühle nicht entgehen lassen möchte – und gerne Ebooks liest – sollte diese Chance nutzen! 😉 Und natürlich freuen sich die beteiligten Autorinnen dann auch über Rezensionen … aber das ist ja eigentlich eh klar, oder?

Anlässlich dieser Aktion verlose ich unter allen, die mir ihre Eindrücke zu meiner Geschichte schreiben („Ein halber Sommer lang“) ein gedrucktes Exemplar von #herzleer. Einfach hier in den Kommentaren die Rückmeldung zur Geschichte posten – und am 01. Juni 2017 gebe ich dann bekannt, wer das gedruckte Buch gewonnen hat. Ich bin gespannt!